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© Robert Hörning
Filter setzen Metropole Ruhr

Für die Zukunft 
im Ruhrgebiet

Bärbel Bergerhoff-Wodopia prägt als Vorständin der RAG-Stiftung die Transformation des Ruhrgebiets. Aus der Verantwortung in der Nachbergbauära erwachsen Chancen für die Zukunft. Als Botschafterin des Ruhrgebiets spricht sie im Interview über Bildung als Schlüssel zur Teilhabe - und warum industrielle Stärke und Gründergeist gemeinsam die Zukunft der Region formen.

Der Bergbau formte das Ruhrgebiet und seine Menschen. Ein reichhaltiges Erbe, das die Gegenwart der Region weiterhin prägt. Mit ihren Projekten gestaltet die RAG-Stiftung die Zukunft. Als Vorständin hat Bärbel Bergerhoff-Wodopia dabei besonders die jungen Menschen im Blick. Sie trifft viele Jugendliche, die heute nur noch aus Geschichtsbüchern wissen, was der Steinkohlenbergbau einmal für die Region bedeutet hat. Auch was die RAG-Stiftung macht, weiß nicht gleich jeder.

Wie erklären Sie jungen Menschen kurz und knapp die Aufgaben der RAG-Stiftung?

Bärbel Bergerhoff-​Wodopia: „Kurz und knapp“ ist gar nicht so einfach, aber ich versuche es: Die RAG-Stiftung kümmert sich über ihre Aufgaben mit darum, dass man auch in der Nachbergbauära sehr gut in den ehemaligen Steinkohlenregionen im Ruhgebiet, im Saarland und in Ibbenbüren leben kann.

Das war wirklich knapp. Dann bitte doch noch einmal ausführlicher.

Gerne. Dafür ist auch ein Blick in die Vergangenheit notwendig: Der Steinkohlenbergbau war nach dem Krieg einst der Motor des deutschen Wirtschaftswunders. Ende der 50er-Jahre kam die Kohlekrise, es folge ein langer harter Weg mit zahlreichen Zechenschließungen und umfangreichem Beschäftigungsabbau und schließlich das Ende des deutschen Steinkohlenbergbaus im Jahr 2018. Die Stiftung wurde in diesem Zusammenhang 2007 gegründet und hatte zunächst die Aufgabe, mit dafür zu sorgen, das Ende des Steinkohlenbergbaus sozialverträglich zu bewältigen. Das war ein großer Kraftakt und eine beispiellose Leistung aller Beteiligten. 

Heute ist die wesentliche Aufgabe der RAG-Stiftung die Finanzierung der Ewigkeitsaufgaben aus dem deutschen Steinkohlenbergbau. Diese Aufgabe erfüllt sie seit 2019 jedes Jahr absolut zuverlässig. Ewigkeitsaufgaben sind Aufgaben, die dauerhaft – also ewig – fortbestehen, wie Grubenwasserhaltung, das Pumpen von Oberflächenwasser und Grundwasserreinigung. All das kostet jährlich zwischen 250 und 300 Millionen Euro. Dieses Geld will erst einmal verdient werden. Dafür legt die Stiftung ihr Vermögen an und erwirtschaftet aus ihrer breit diversifizierten Kapitalanlage die benötigten Mittel. 

Eine weitere Aufgabe der RAG-Stiftung ist die Förderung von Projekten in den Bereichen von Bildung, Wissenschaft und Kultur sofern diese im Zusammenhang mit dem Steinkohlenbergbau stehen. Dabei liegt ein Schwerpunkt, der mir auch selbst sehr am Herzen liegt, auf der Bildungsförderung von chancenbenachteiligten Kindern und Jugendlichen.

Die RAG-Stiftung ist mit der größte Bildungsförderer im Ruhrgebiet. Warum ist das Thema Bildung für Sie so wichtig?

Weil ohne Bildung nichts geht. Es kann und darf nicht sein, dass Kinder nur deshalb geringere Bildungschancen haben, weil ihre Familien finanziell schlechter aufgestellt sind. Dem entgegenzuwirken ist mir persönlich ein besonderes Anliegen. Die RAG-Stiftung setzt sich in der Tradition des Steinkohlenbergbaus dafür ein, dass Kinder und Jugendliche gute Bildungsmöglichkeiten haben – unabhängig von ihrer Herkunft.

Bildung ist der Schlüssel zu Teilhabe und einem selbstbestimmten Leben. Hinzu kommt, dass wir es uns nicht leisten können, vorhandenes Talent ungenutzt zu lassen – Stichwort Fachkräftemangel. 

Für Bildungsgerechtigkeit zu sorgen ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Wir als RAG-Stiftung tragen unseren Teil dazu bei. Wir müssen aber noch mehr tun und das gemeinsam.

„Bildung ist der Schlüssel zu Teilhabe und einem selbstbestimmten Leben.”

Bärbel Bergerhoff-WodopiaMitglied im Vorstand der RAG-Stiftung

Gerade wurde das TUMO Lernzentrum Ruhrgebiet eröffnet. Was ist das Besondere an diesem Konzept?

TUMO ist ein innovatives Bildungskonzept für junge Menschen zwischen 12 und 18 Jahren, das in Armenien entwickelt und auf Initiative der KfW in Deutschland eingeführt wurde. Die finanzielle Förderung haben wir als RAG-Stiftung übernommen. 

Das Besondere an TUMO ist, dass es komplett kostenlos ist und Schlüsselkompetenzen fördert, die für den Bildungserfolg besonders wichtig sind. Es richtet sich vorwiegend an die eben schon genannte Zielgruppe unserer Bildungsförderung – an chancenbenachteiligte Kinder und Jugendliche. Ziel ist es, ihnen MINT- und Digitalkompetenzen zu vermitteln.

Das „TUMO-Lernzentrum Essen | Ruhrgebiet“ hat seinen Betrieb Anfang September aufgenommen und ist im Colosseum im Essener Stadtzentrum zuhause. Mehr als 700 Jugendliche können pro Woche hier nach der Schule Fähigkeiten unter anderem in Animation, Programmierung, Robotik oder Fotografie erlernen.

Sie haben selbst eine Ausbildung bei der RAG gemacht, vor allem waren Sie viele Jahre für die Ausbildung verantwortlich. Mit Blick auf die Transformation in der Arbeitswelt: Welchen Stellenwert messen Sie der betrieblichen Ausbildung bei?

Für mich hat die betriebliche Ausbildung einen sehr hohen Stellenwert, denn ich weiß aus eigener Erfahrung, wie wertvoll die Verbindung von Praxis und Lernen ist.

Ich bin fest davon überzeugt, dass die betriebliche Ausbildung ein wichtiger Baustein ist und bleibt, um die Transformation in der Arbeitswelt erfolgreich zu gestalten. Themen wie Digitalisierung oder Nachhaltigkeit verändern die Anforderungen an Beschäftigte enorm. Umso wichtiger ist es, junge Menschen praxisnah auszubilden und ihnen sowohl fachliche Kompetenzen als auch überfachliche Fähigkeiten wie Problemlösungskompetenz, Teamarbeit und digitale Kenntnisse zu vermitteln.

Betriebliche Ausbildung stellt sicher, dass Unternehmen Fachkräfte entwickeln, die wirklich zu ihren Anforderungen passen. Am Ende profitieren beide Seiten. Junge Menschen erhalten eine berufliche Perspektive und die Betriebe qualifizierte Mitarbeitende. 

Bildungsarbeit ist auch Integrationsarbeit: Wie wichtig ist das gerade im Ruhrgebiet?

Bildungsarbeit ist im Ruhrgebiet ganz eng mit Integrationsarbeit verbunden. Unsere Region ist im Zusammenhang mit ihrer montanindustriellen Vergangenheit seit Jahrzehnten von Vielfalt geprägt.  Es gab eine Zeit, da hat oftmals der Bergbau den Menschen, die von außerhalb zu uns kamen, Arbeit und Teilhabe ermöglicht. Heute entscheidet Bildung darüber, ob Teilhabe und Chancengerechtigkeit wirklich gelingen. Und eben auch ob Integration gelingt. 

Ausbildung und Weiterbildung sind immens wichtig, um Menschen mit unterschiedlichen Hintergründen zusammenzubringen und sprachliche und kulturelle Barrieren zu überwinden. Deshalb sehe ich Bildungsarbeit als Schlüsselfaktor für gesellschaftlichen Zusammenhalt und letztlich auch für die wirtschaftliche Zukunftsfähigkeit unserer Region.

Ewigkeitsaufgaben – und vieles mehr

Die RAG-Stiftung finanziert die anfallenden Ewigkeitsaufgaben in den ehemaligen Steinkohlenrevieren in Deutschland - zum Beispiel die Wasserhaltung im Ruhrgebiet. Dazu baut sie seit ihrer Gründung 2007 kontinuierlich ihr Vermögen auf und investiert in Unternehmen und Start-ups weltweit, aber auch im Ruhrgebiet. Darüber hinaus fördert die RAG-Stiftung Projekte aus den Bereichen Bildung, Wissenschaft und Kultur.

Zur RAG-Stiftung

Die RAG-Stiftung verbindet die Tradition des Bergbaus mit Zukunftsbranchen, schließlich ist die RAG-Stiftung breit investiert.  Wenn man das überhaupt konzentrieren kann: Was ist die Zukunftsindustrie des Ruhrgebiets?

Das Ruhrgebiet hat seine Stärke immer aus industriellen Kernen gezogen – und die werden wir auch künftig brauchen. Branchen wie beispielsweise Energie, Chemie und Gesundheit bleiben tragende Säulen unserer Wirtschaft. Gleichzeitig ist es wichtig, die industrielle Basis mit einer vitalen Startup-Szene zu verknüpfen. Startups schaffen Innovationskraft, Agilität und neue Geschäftsmodelle. 

Die RAG-Stiftung hat deshalb auch Anfang 2022 das Innovations- und Gründungszentrum BRYCK gegründet. Daraus hat sich mittlerweile die BRYCK Startup Alliance entwickelt – ein Zusammenschluss von RAG-Stiftung, der Universitätsallianz Ruhr, dem Initiativkreis Ruhr und BRYCK selbst. Ziel der Initiative ist es, ein europaweit führendes Zentrum für die Entwicklung wachstumsstarker Deep-Tech-Startups zu etablieren. 

Mein Fazit mit Blick auf ihre Frage: Die Zukunftsindustrie des Ruhrgebiets ist keine einzelne Branche. Sie ist die Verbindung aus industrieller Basis und dynamischem Gründergeist.

„Die Zukunftsindustrie des Ruhrgebiets ist keine einzelne Branche. Sie ist die Verbindung aus industrieller Basis und dynamischem Gründergeist.”

Bärbel Bergerhoff-WodopiaMitglied im Vorstand der RAG-Stiftung

Persönlich engagieren Sie sich in vielen sozialen und kulturellen Themenfeldern, aber auch zum Beispiel im Kuratorium der BMR. Warum sind Ihnen Netzwerke und Engagement für das Ruhrgebiet so wichtig?

Weil sie im Ruhrgebiet die Verbindung zwischen Menschen, Unternehmen und Initiativen schaffen und folglich Austausch und Zusammenhalt stärken. Netzwerke sind der Gegenentwurf zum Kirchturmdenken, denn gemeinsam schaffen wir mehr. Das gilt im Großen wie im Kleinen und zeigt sich beispielsweise auch in der Zusammenarbeit mit dem Regionalverband Ruhr. Wenn ich mich persönlich engagieren kann – beispielsweise im Kuratorium der BMR –, dann ist das für mich keine Pflicht, sondern die Chance und das Privileg Impulse setzen zu können.

Zum Abschied: "Glück auf" oder "Auf Wiedersehen"?

Beides. Ich finde, wir müssen uns nicht entscheiden. Wir sind doch sehr gut darin, Tradition und Moderne miteinander zu verbinden und das Beste daraus zu machen.

Mehr Informationen und Hintergrund-Storys aus dem Kuratorium

 

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Benjamin LegrandLeiter
Unternehmenskommunikation, Pressesprecher
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