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© BMR/Judith Büthe

WdZ: Der Kunststoff von morgen

In Schwerte im Kreis Unna, am östlichen Rand des Ruhrgebiets, entsteht ein Projekt mit Signalwirkung: das Werkstoffforum der Zukunft (WdZ). Hier widmen sich Ingenieurinnen, Wissenschaftler und Unternehmen einer Aufgabe, die ebenso dringlich wie visionär ist – den verantwortungsvollen Umgang mit Kunststoffen voranzubringen.

Logo von dem 5-Standorte-Programm in schwarz und verschiedenen blau Tönen.

Ein neues Kapitel in der Materialwirtschaft

„Kunststoffe haben zum Teil einen schlechten Ruf, der aufgrund des häufig falschen Umgangs und der daraus resultierenden Umweltfolgen oft gerechtfertigt ist“, sagt Diplom-Ingenieur Michael Tesch, Leiter des Werkstoffforums. „Doch gleichzeitig bieten sie enormes Potenzial – insbesondere, wenn wir sie dafür nutzen, wo sie sinnvoll sind und in den Kreislauf zurückführen können.“

Das Werkstoffforum möchte genau diese Brücke bauen: zwischen ökologischer Verantwortung und praktischer industrieller Umsetzung.

Innovation aus der Region für die Region

Der Standort Schwerte profitiert von einer dichten Netzwerkstruktur aus Industrie, Forschung und KMU. Diese enge Verzahnung ermöglicht es, Lösungen zu erproben, die später als Modell für andere Regionen dienen können. In einer revitalisierten Industriebrache entsteht ein Zentrum, das praxisorientierte Forschung, Pilotprojekte und gesellschaftliche Kommunikation bündelt.

Das WdZ fungiert dabei als Innovations- und Transferstelle zwischen Forschung und Mittelstand. „Besonders kleinere und mittelständische Betriebe profitieren von der Möglichkeit, die im Forum entwickelten Ansätze direkt in ihre Prozesse zu integrieren“, sagt Tesch. Neben der Technologieentwicklung trägt das Forum zur Stärkung der Leitbranche „Kreislaufwirtschaft“ im Kreis Unna bei und unterstützt gleichzeitig den Aufbau neuer Forschungs- und Entwicklungskompetenzen am Standort Schwerte.

Recycling als Schlüssel

Ein zentrales Thema des Werkstoffforums ist das Recycling technischer Kunststoffe. Sie werden vor allem in Schlüsselindustrien wie Automobilbau und Elektrotechnik eingesetzt und sind dort für Effizienz und Sicherheit unverzichtbar. Doch ihre Wiederverwertbarkeit stellt viele Unternehmen noch vor Herausforderungen.

Hier setzt das Forum an: Mit Partnern wie Remondis, dem Kunststoff-Institut Lüdenscheid und dem Wuppertal-Institut für Klima, Umwelt, Energie werden ganzheitliche Strategien erarbeitet, um Stoffströme zu analysieren und geeignete Recyclingpfade zu entwickeln.

Tesch betont: „Wir möchten ein praxisnahes Instrument schaffen, das Unternehmen bei der Bewertung und Optimierung ihrer Materialnutzung unterstützt. Wir erfinden dabei das Rad nicht neu, sondern bündeln die besten Ansätze bestehender Systeme.“

Von der Forschung in die Praxis

Zum Beispiel in Bezug auf grundlegende Innovations- und Entwicklungsthemen, die bisher nicht im Fokus einzelner Partner lagen. Hier werden bestehende Technologien und Materialien auf ihre industrielle Anwendbarkeit überprüft, optimiert und – falls erforderlich – zur serientauglichen Weiterentwicklung empfohlen.

Ein Beispiel zeigt die Praxisnähe: Ein Unternehmen aus der Telekommunikationsbranche sucht eine biobasierte Alternative für Kunststofffolien. Ein Material auf Algenbasis könnte die Lösung sein. Das Forum initiiert Versuche, vernetzt die beteiligten Partner und bewertet das Material. Gelingt der Einsatz, kann das Ergebnis branchenübergreifend genutzt und durch ein Gütesiegel bestätigt werden – ein klarer Mehrwert für Nachhaltigkeit und Marktakzeptanz.

„Wir stehen am Anfang eines langen Weges. Doch gemeinsam können wir eine Zukunft schaffen, in der Nachhaltigkeit und wirtschaftliche Effizienz Hand in Hand gehen.“

Michael TeschLeiter Werkstoffforum der Zukunft

Werkzeuge, Wissen und Wertschöpfung

Zentraler Bestandteil der Arbeit ist der Aufbau digitaler Werkzeuge – etwa eines Produktpasses, der Materialinformationen, Recyclingfähigkeit und Lebenszyklusdaten transparent macht. Ergänzend wird ein Modellkreislauf simuliert, den insbesondere kleine und mittlere Unternehmen zur Prozessoptimierung nutzen können.

„Wir stehen am Anfang eines langen Weges“, betont Tesch. „Doch gemeinsam können wir eine Zukunft schaffen, in der Nachhaltigkeit und wirtschaftliche Effizienz Hand in Hand gehen.“

Neben Unternehmen sollen auch Verbraucher sensibilisiert werden – etwa durch Informationsveranstaltungen, Messen und digitale Angebote. „Es ist wichtig, nicht nur die Wirtschaft, sondern auch die Verbraucher für das Thema zu begeistern, die schlussendlich einen großen Einfluss auch auf Sortierqualitäten ausüben“, ergänzt Tesch.

Eine Vision für die Zukunft

Das Werkstoffforum versteht sich nicht als kurzfristiges Projekt, sondern als langfristige Plattform. Ziel ist es, Unternehmen in die Lage zu versetzen, nachhaltige Werkstoffnutzung eigenständig voranzubringen und auf neue Branchen zu übertragen. 

Das Werkstoffforum der Zukunft zeigt exemplarisch, wie technologische Innovation und regionale Kooperation ein starkes Fundament für die Materialwirtschaft von morgen bilden können – made in Schwerte.

5‑StandorteProgramm: Strukturwandel im Ruhrgebiet

Mit dem 5‑StandorteProgramm treibt das Land NRW den Strukturwandel im Ruhrgebiet gezielt voran. Bis 2038 werden innovative Projekte mit bis zu 662 Millionen Euro aus dem Investitionsgesetz Kohleregionen gefördert. Ziel sind zukunftsweisende Investitionen und neue Arbeitsplätze auf dem Weg zur grünsten Industrieregion der Welt. Das Programm umfasst die Standorte Duisburg, Gelsenkirchen, Herne, Hamm sowie den Kreis Unna.

Logo:

Ihr Ansprechpartner zum 5-​​StandorteProgramm

Markus QuerfurtProjektleiter
5-StandorteProgramm
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