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© IHK zu Dortmund/Stephan Schütze Ein Mann steht auf einer Bühne und spricht. Im Hintergrund sind das Zeichen #SUGT und ein Schriftzug der IHK zu sehen.
Filter setzen Ruhrgebiet

So gründen ausländische Unternehmen im Ruhrgebiet

Dominik Stute von der IHK zu Dortmund weiß, was internationale Unternehmen für die Region begeistert – und worauf es bei ihren ersten Schritten ankommt. Sein Job ist es, Start-ups aus aller Welt für das Ruhrgebiet zu begeistern: Dominik Stute hat das Erfolgsformat „Startup! Germany Tour“ mitentwickelt. Im Interview erklärt der Start-up-Tourleiter der Industrie- und Handelskammer (IHK) zu Dortmund, was internationale Unternehmen an der Region reizt. Und er gibt Tipps, worauf es beim Einstieg in den hiesigen Markt ankommt.

Ihr offizieller Job-Titel bei der IHK zu Dortmund lautet „Referatsleiter Innovation, Industrie, Internationale Netzwerke“ – ein breites Aufgabengebiet.

Dominik Stute: „Die drei Themenfelder haben sehr schöne Synergien. Als Dienstleister informieren wir unsere Mitgliedsunternehmen über Innovationen wie Künstliche Intelligenz oder IT-Sicherheit. Wir machen sie fit für die Herausforderungen der Zukunft. Gerade in der Industrie sind Kenntnisse über neue Technologien sehr wichtig. Das geschieht zunehmend in einem weltweiten Kontext, etwa beim Thema Nachhaltigkeit. Ich helfe Unternehmen dabei, Netzwerke über Grenzen hinweg zu knüpfen und internationale Märkte zu erschließen.“

Wie bei der „Startup! Germany Tour“.

„Wir haben früh auf die Internationalisierung von Start-ups gesetzt und schon 2015 eine erste Reise nach New York organisiert. Seitdem waren wir zum Beispiel in Israel, Finnland, China oder Singapur. Wir haben uns gedacht: Das muss auch andersherum gehen. Daraus ist 2017 die erste „Startup! Germany Tour“ entstanden. Die Idee dafür haben wir in eine Arbeitsgruppe des Dachverbands DIHK eingebracht, und die Kammern in Hamburg und Berlin haben im ersten Jahr mitgemacht. Mittlerweile ist es eine reine Tour durch NRW. Wir haben dabei – seit Corona auch in digitalen Formaten – insgesamt 550 Unternehmen aus 55 Ländern in unseren Markt eingeführt und mit hiesigen Unternehmen zusammengebracht. Ein Schwerpunkt liegt auf dem Ruhrgebiet.“

Wie gelingt es, junge Firmen für die Region zu interessieren?

„Das Ruhrgebiet punktet bei internationalen Start-ups vor allem mit der Fülle der etablierten Unternehmen: Wenn sie sehen, was sich ihnen hier an potenzieller Kundschaft und möglichen Geschäftspartnerschaften bietet, sind sie überrascht und begeistert. Dabei sind nicht allein die großen Konzerne die Zugpferde. Wir schaffen es, zunehmend kleine und mittlere Unternehmen für die Tour zu interessieren und sie mit Start-ups in Kontakt zu bringen.“

„Wer ein wirklich innovatives Produkt hat, muss früher oder später die Auslandsmärkte in den Blick nehmen.“

Dominik StuteReferatsleiter Innovation, Industrie, Internationale Netzwerke, IHK zu Dortmund

Dominik Stutes Empfehlung für die ersten fünf Schritte

Gute Vorbereitung entscheidet über Erfolg oder Misserfolg eines Firmenstarts. Das weiß IHK-Experte Dominik Stute aus Erfahrung. „Manche Start-ups gehen da eher blauäugig rein. Eine Gründung braucht aber einen langen Atem, also Zeit, Geld und gute Kenntnisse des Orts, an dem ich investieren will.“ Seine Empfehlungen für die ersten fünf Schritte setzen schon vor der formellen Gründung an.

1. Den Markt sondieren

„Als ausländische Firma muss ich den Markt verstehen. Wie funktioniert er? Wie ticken die Menschen? Wie ist seine Infrastruktur? Das kann ich nur, wenn ich persönlich herkomme. So lerne ich zum Beispiel die unkomplizierte Ruhrgebiets-Mentalität kennen, die die Menschen hier auszeichnet. Diese offene Art kommt bei internationalen Start-ups gut an.“

2. Erste Kontakte knüpfen

„Niemand sollte ohne erste Kontakte in einem Markt investieren oder gründen. Mein Rat: Kommen Sie und erzählen den Menschen von ihrer Idee. Dann bekommen Sie ein Bauchgefühl, ob sie funktionieren kann. Nutzen Sie die Möglichkeiten, die sich in der Region bieten. Es gibt viele davon im Ruhrgebiet: IHKs, örtliche Wirtschaftsförderungen, Hochschulen, Forschungsinstitute, Netzwerke. Und es gibt viele lohnende Programme und Events, bei denen Sie Leute kennenlernen können. Die Start-up-Konferenz ruhrSUMMIT, die Digitale Woche Dortmund oder die Messe E-world energy & water sind nur drei Beispiele.“

„Wer hierherkommt, kann bei einer einstündigen Autofahrt mehrere Städte und anderthalb Millionen Menschen passieren. Das gibt Gästen einen Eindruck davon, wie dicht diese Region besiedelt ist.“

Dominik StuteReferatsleiter Innovation, Industrie, Internationale Netzwerke, IHK zu Dortmund

3. Kontakte intensivieren

„Auf Messen und Events bekommen Sie Kontakt zu etablierten Unternehmen. Diese Kontakte gilt es zu intensivieren. Dann wird es konkret: Sie können echtes Interesse für eine Partnerschaft wecken, Vertrauen gewinnen und erste Geschäfte verabreden. Wenn Sie es noch nicht auf einem Netzwerk-Event getan haben, dann können Sie spätestens jetzt Ihre Idee pitchen.“

4. Gründung vorbereiten

„Es ist anspruchsvoll, nach deutschem Recht zu gründen. Das beginnt damit, ein Konto zu eröffnen. Deshalb: Holen Sie sich Hilfe. Achten Sie darauf, dass es anerkannte und offizielle Stellen sind. Kammern oder Wirtschaftsförderungen helfen gern. Einige Kommunen haben eigene Förderprogramme für Gründer und Investoren aufgelegt. Welche Stadt bietet mir das beste Umfeld? Welche Unternehmensform wähle ich? Über Fragen wie diese sollten Sie jetzt entschieden haben. Vielleicht genügt erst einmal ein Platz in einem Co-Working-Space, anstatt gleich eine Halle anzumieten.“

5. Die Gründung selbst

„Am Ende heißt es, ein Gewerbe anzumelden, eine Gesellschaft ins Handelsregister eintragen zu lassen, sich beim Finanzamt erfassen zu lassen, Versicherungen abzuschließen, Visa- und Aufenthaltsrechte zu klären. Einen Überblick über nötige Formalitäten gibt der „Investment Guide to Germany“ von Germany Trade & Invest, der Wirtschaftsförderungsgesellschaft des Bundes. Wichtig: Planen Sie ausreichend Zeit für den Gründungsprozess ein. So gelingt Ihnen der Start im Ruhrgebiet.“