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© Universitätsallianz Ruhr Nordamerika Eine Frau steht in der Mitte eines Veranstaltungsraums und spricht zu den Gästen.

Das Ruhrgebiet ist eines der best-gehüteten Geheimnisse Europas“

Die Amerikanerin Priya S. Nayar ist als Geschäftsführerin der Universitätsallianz (UA) Ruhr Nordamerika tätig und vertritt in dieser Funktion die Ruhr-Universität Bochum, die Technische Universität Dortmund und die Universität Duisburg-Essen in den Vereinigten Staaten und Kanada. Ihre Aufgabe ist es, Partnerschaften zwischen Forscherinnen und Forschern, Hochschulen, Regierungen, Stiftungen und der Wirtschaft aufzubauen. Wie blickt sie auf das Ruhrgebiet? Wir haben nachgefragt.

Sie sind als Geschäftsführerin der Universitätsallianz Ruhr Nordamerika tätig und vertreten die drei Hochschulen Ruhr-Universität Bochum, Technische Universität Dortmund und Universität Duisburg-Essen in den Vereinigten Staaten und Kanada. Was umfasst Ihre Aufgabe?

Priya S. Nayar: Meine Aufgabe ist es, sinnvolle Partnerschaften zwischen Forschenden, Hochschulen, Regierungen, Stiftungen und der Wirtschaft aufzubauen. Jeder Tag ist anders: In einem Moment diskutiere ich mit Hochschulleiterinnen über künstliche Intelligenz oder Nachhaltigkeit, im nächsten unterstütze ich Nachwuchswissenschaftler, organisiere internationale Symposien, Workshops und Vorträge oder empfange eine Delegation. Im Kern geht es bei unserer Arbeit darum, Menschen die Möglichkeit zu geben, über Grenzen hinweg Kontakte zu knüpfen, und die Stärke des Ruhrgebiets als globale Drehscheibe für Forschung, Innovation und akademische Zusammenarbeit zu demonstrieren. Das Ruhrgebiet ist offen und einladend – die Menschen müssen nur erst einmal mit uns bekannt gemacht werden.
 

Wie sind Sie zu dieser Position gekommen?

In den vergangenen zwei Jahrzehnten bewegte sich meine Arbeit im Bereich der internationalen Hochschulbildung an der Schnittstelle zwischen „Soft Diplomacy“ und dem Brückenbau zwischen den Kulturen. Ich bin in vielen Kulturen zuhause - amerikanisch, indisch, deutsch - und habe schon in verschiedenen Ländern für eine kurze Zeit gelebt.

Während meiner gesamten Karriere hat es mich fasziniert, wie Universitäten als Motoren des gesellschaftlichen Wandels und des internationalen Verständnisses wirken können. Als sich die Gelegenheit bot, die UA-Ruhr-Vertretung in Nordamerika zu leiten, fühlte sich das wie eine natürliche Entscheidung an, denn diese Aufgabe vereint alles, was mir am meisten Spaß macht: den Aufbau strategischer Partnerschaften, die Unterstützung von Forschenden und Studierenden sowie die Förderung eines globalen Denkens bei den Institutionen, während diese gleichzeitig grundlegend mit ihren lokalen Stärken verbunden bleiben.
 

Wie sind Sie zum ersten Mal mit dem Ruhrgebiet in Kontakt gekommen?

Mein erster Kontakt entstand Mitte der 2000er-Jahre durch den Direktor der UA Ruhr. Je mehr ich über die drei Universitäten erfuhr, desto mehr beeindruckten mich der Ehrgeiz und die Chancen, die hinter diesem Verbund standen. Anstatt einzeln miteinander zu konkurrieren, entschieden sich unsere Universitäten für eine internationale Zusammenarbeit und schufen so etwas, das weit mehr ist als die Summe seiner Teile. Diese kooperative Denkweise hat mich geprägt, und ich bin unglaublich stolz auf unsere Arbeit und unsere Mission.
 

Was waren Ihre Eindrücke, als Sie das Ruhrgebiet zum ersten Mal besucht haben?

Ich war sofort beeindruckt davon, wie authentisch sich das Ruhrgebiet anfühlt. Es gibt hier eine bemerkenswerte Kombination aus industriellem Erbe, kultureller Vielfalt und wissenschaftlicher Exzellenz. Es ist eine Region, die sich immer wieder neu erfunden hat – von Kohle und Stahl hin zu Wissen, Innovation und Kreativität. Gleichzeitig empfand ich die Menschen dort als unglaublich gastfreundlich. Es herrscht ein Pragmatismus und eine Offenheit für Zusammenarbeit, durch die man sich sehr schnell zu Hause fühlt.
 

Universitätsallianz Ruhr Nordamerika

Seit 2004 unterhält die Universitätsallianz (UA) Ruhr ein Verbindungsbüro in New York, das die drei Universitäten Bochum, Dortmund und Duisburg-Essen in Nordamerika repräsentiert. Die UA Ruhr ist ein Zusammenschluss der drei größten Universitäten im Ruhrgebiet. Mit über 120.000 Studierenden und fast 14.000 Forschenden stellt die UA Ruhr einen der größten und leistungsstärksten Forschungsstandorte in Deutschland dar.

Was unterscheidet das Ruhrgebiet von anderen Regionen in Deutschland und weltweit?

Das Ruhrgebiet hat eine einzigartige Identität. Nur wenige Metropolregionen verfügen über eine derart hohe Konzentration an Hochschulen, Forschungsinstituten, Industrie und kulturellen Einrichtungen auf so engem Raum. International vergleiche ich es oft mit Innovationsökosystemen, in denen Zusammenarbeit wichtiger ist als die geografische Lage. Was das Ruhrgebiet auszeichnet, ist die Kombination aus akademischer Exzellenz, Zugänglichkeit und einer echten Bereitschaft zur institutionenübergreifenden Zusammenarbeit.
 

Kennen die Menschen in Nordamerika das Ruhrgebiet bereits, oder stellen Sie es ihnen aktiv vor?

Viele kennen einzelne Hochschulen oder sind mit Deutschlands Forschungsstärke vertraut, aber nur wenige erkennen das Ruhrgebiet auf Anhieb als eines der größten akademischen und innovativen Ökosysteme Europas. Das ist einer der lohnendsten Aspekte meiner Arbeit. Sobald Forscherinnen, Studierende oder Hochschulleiter erfahren, wie groß die Allianz ist, wie breit gefächert die Forschung ist und wie kooperativ die UA Ruhr arbeitet, sind sie oft wirklich überrascht. Das Ruhrgebiet vorzustellen bedeutet, eine Geschichte von Wandel, Innovation und Partnerschaft zu erzählen, und ich bin unglaublich stolz darauf, dass ich das jeden Tag tun kann … und jeder sollte unsere Region besuchen, um einen Eindruck davon zu bekommen, was hier alles möglich ist.
 

Was macht das Ruhrgebiet für Forschende und Studierende attraktiv?

Forscherinnen und Forscher sowie Studierende profitieren von einem außergewöhnlichen akademischen Umfeld. Sie haben Zugang zu drei bedeutenden Forschungsuniversitäten, einer hervorragenden Infrastruktur, interdisziplinärer Zusammenarbeit und engen Verbindungen zur Wirtschaft und Gesellschaft. Ebenso wichtig ist die internationale Ausrichtung. Das Ruhrgebiet fördert Neugier, Mobilität und Zusammenarbeit und ist gleichzeitig ein erschwinglicher und einladender Ort zum Studieren und Forschen. Es bietet die Vorteile einer großen Metropolregion mit einem starken Gemeinschaftsgefühl.
 

Was sind aus Ihrer Sicht die größten kulturellen Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen Nordamerika und dem Ruhrgebiet?

Eine der größten Gemeinsamkeiten ist der Unternehmergeist und der Wunsch, reale Probleme durch Zusammenarbeit zu lösen. Beide legen Wert auf Innovation und die Rolle, die Hochschulen in der Gesellschaft spielen. Ein Unterschied besteht vielleicht darin, wie Partnerschaften entstehen. In Nordamerika entwickeln sich Kooperationen oft sehr schnell und sind stark chancengetrieben, auch wenn ein Risiko besteht. Im Ruhrgebiet werden Beziehungen oft mit einem starken Fokus auf Vertrauen und langfristiges Engagement aufgebaut und können mit den richtigen Leuten zügig voranschreiten. Ich denke, diese Ansätze ergänzen sich bemerkenswert gut, und einige der stärksten Kooperationen entstehen, wenn beide Perspektiven zusammenkommen.
 

Und zu guter Letzt: Wenn Sie das Ruhrgebiet in nur einem Satz beschreiben müssten, was würden Sie sagen?

Das Ruhrgebiet ist eines der bestgehüteten Geheimnisse Europas: Es ist ein Ort, an dem Zusammenarbeit Teil der Kultur ist, an dem Universitäten zusammenarbeiten statt gegeneinander, und an dem internationale Partnerschaften nicht nur zum Zweck der Forschungsförderung geschlossen werden, sondern auch, um die globalen Herausforderungen anzugehen, die uns alle verbinden.