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Julia Pietsch auf dem MEDICA-Stand. Foto: GTAI-bundesfoto-Frank Sonnenberg
Filter setzen Metropole Ruhr

Wie fasse ich Fuß auf dem deutschen Gesundheitsmarkt?

Die Gesundheitsbranche boomt, auch im Ruhrgebiet. Der Standort ist gefragt bei internationalen Unternehmen aus dem Health-Bereich, die ihre Produkte in Deutschland skalieren wollen. Julia Pietsch, Senior Manager Healthcare bei Germany Trade & Invest, erklärt im Interview, wie die ersten Schritte in den deutschen Markt gelingen können. 

Die Business Metropole Ruhr organisiert in diesem Jahr bereits zum dritten Mal das zweitägige Event „Scaling to Germany", das sich diesmal ganz dem Schwerpunkt Gesundheit widmet. Am 18. und 19. September haben zehn internationale Health Scale-ups die Möglichkeit, in Essen, Bochum und Dortmund den deutschen Gesundheitsmarkt besser kennenzulernen und sich mit relevanten Akteurinnen aus dem Ruhrgebiet zu vernetzen. Julia Pietsch gibt den Scale-ups vorab in einem Workshop erste Einblicke in den Markt.

Was erwartet die Teilnehmenden bei Ihrem Input?

Julia Pietsch: Die Idee ist, einen allgemeinen Überblick zum deutschen Gesundheitsmarkt zu geben. Alle Teilnehmenden sollen einmal abgeholt, Geschäftschancen vorgestellt werden.

Wie tickt der deutsche Gesundheitsmarkt? Wie wird der Markt finanziert? Das ist ja in den einzelnen europäischen Ländern unterschiedlich. Es wird ein grober Rundumschlag. Ich stelle z. B. das Krankenkassensystem vor. In Deutschland gibt es aktuell 94 gesetzliche Krankenkassen, in den Niederlanden nur vier. 

 

Was empfehlen Sie internationalen Scale-ups, die in den deutschen Gesundheitsmarkt einsteigen möchten? 

Julia Pietsch: Das Allerwichtigste ist, dass alle – ganz egal ob Start-ups, Scale-ups oder auch etablierte Unternehmen – verstehen, dass der Gesundheitsmarkt ein regulierter Markt ist. Der Staat in Deutschland legt maßgeblich die Rahmenbedingungen und Regeln für die Gesundheitsversorgung und die Gesundheitswirtschaft fest. Ich muss wissen: Wer sind genau meine Kunden? Sind es die Krankenkassen? Die Krankenhäuser? Oder verkaufe ich direkt an die Patientinnen und Patienten. Je nach Produkt oder Dienstleistung gibt es andere Wege in die Branche einzutreten.

Ich muss prüfen, ob mein Produkt bereit ist für den deutschen Markt. Aber auch die Frage stellen: Ist der deutsche Markt bereit für mein Produkt? Ich muss den Markt also kennen, erst dann kann ich mein Produkt anpassen. 

Julia Pietsch

Julia Pietsch ist Senior Manager Healthcare bei Germany Trade & Invest, der deutschen Regierungsagentur, die ausländische Unternehmen bei ihrer Expansion nach Deutschland unterstützt. Sie berät und arbeitet mit internationalen Unternehmen zusammen, die Forschungs- und Entwicklungs-, Produktions- und Vertriebsaktivitäten in den Bereichen Life Sciences und Gesundheitswesen vorbereiten. 

Bevor sie zu Germany Trade & Invest kam, arbeitete Julia Pietsch in der Abteilung für wissenschaftliche Informationen und Werbematerialien der Sanofi Aventis Deutschland GmbH. Außerdem arbeitete sie beim U.S. Commercial Service der Botschaft der Vereinigten Staaten in Berlin, wo sie US-Unternehmen bei der Suche nach Vertriebspartnern in Deutschland unterstützte. Julia hat einen Master of Arts in Nordamerikanistik von der Freien Universität Berlin.

Foto: GTAI-Illing Vossbeck Fotografie

Welche Hürden gibt es für internationale Start-ups in Deutschland?

Julia Pietsch: Das Gute ist zunächst einmal, dass es in Deutschland viele Angebote für internationale Unternehmen und auch insbesondere für Start-ups gibt. Manchmal stehen die Start-ups jedoch aufgrund des föderalen Aufbaus des Landes vor mehreren Herausforderungen. Der Bund als auch die einzelnen Bundesländer haben eigene Förderprogramme, Zuständigkeiten und rechtliche Rahmenbedingungen. Die Frage lautet: An wen wende ich mich? Wo fange ich an? Und da kommen wir ins Spiel. Die GTAI, NRW.Global Business aber auch die BMR öffnen Türen in den Markt und geben einen guten Überblick. Wir sind auch untereinander gut vernetzt und bei Bedarf Kontakte herstellen..

Welche globalen Trends lassen den deutschen Gesundheitsmarkt wachsen?

Julia Pietsch: Die alternde Gesellschaft ist eine Herausforderung für uns. Aus dieser Entwicklung resultieren ein zunehmender Pflegebedarf, zahlreiche chronische Krankheiten, ein höherer Personaleinsatz in der Versorgung - insgesamt steigt der Druck auf das Gesundheitssystem. Die Digitalisierung von Prozessen kann dabei helfen, Verwaltungsaufwand zu reduzieren und mehr Zeit für die direkte Patientenversorgung zu schaffen. Digitale Tools und der Einsatz von Künstlicher Intelligenz waren schon vor der Corona-Zeit ein großes Thema in der Gesundheitswirtschaft. KI wird bei Operationen und in der Radiologie eingesetzt. Alle Universitätskrankenhäuser in Deutschland haben längst eine KI-Forschungsabteilung. Deutschland ist innovativ auf diesem Gebiet. 

 

 

Was macht das Ruhrgebiet als Gesundheitsmarkt besonders attraktiv?

Julia Pietsch: Das Smart Hospital in Essen ist beispielsweise weit über die Grenzen Deutschlands hinaus bekannt. Hier wollen viele hin, ihre Pilotprojekte starten, Kontakte knüpfen. Es ist ein internationales Leuchtturmprojekt.

Dann ist das Ruhrgebiet attraktiv, weil es ein Ballungsraum ist. Es gibt viele Menschen, man kommt schnell von A nach B, die Universitäten bilden Fachkräfte aus, es gibt Flughäfen, Bahnhöfe – das alles ist spannend für internationale Investoren.

Der Ballungsraum ermöglicht es, Daten zu erfassen. Es liegt hier ein großer Datenschatz vor, der für Big-Data-Analysen und KI-gestützte Diagnostik notwendig ist. Das bietet Potenzial, um neue Geschäftsmodelle und Produkte zu entwickeln.

 

 

 


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Mahdi HamzeiProjektmanager
Internationalisierung & Standortmarketing
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