Herr Beckmann, viele Unternehmen empfinden Förderprogramme als unübersichtlich. Was sind aus Ihrer Sicht die wichtigsten Förderansätze für CO₂- und Klimaschutzinvestitionen?
Der Zugang zu Fördermitteln ist nicht unbedingt kompliziert. Aus Sicht eines Unternehmens ist es eher schwierig, das für sich richtige Förderprogramm zu identifizieren. Das ist eine Herausforderung. Dafür gibt es mittlerweile verschiedene Navigatoren und eben auch uns hier im Beratungscenter der Wirtschaftsförderung bei der NRW.BANK. Wir beraten Unternehmen persönlich und kostenlos – auch bei Förderprogrammen, die nicht von der NRW.Bank sind. Wir schauen, welches Förderprogramm am besten zu einem Unternehmen passt. Es gibt natürlich Förderprogramme, die anspruchsvoller sind, wo vielleicht der Antrag etwas komplizierter ist. Aber es gibt auch sehr niedrigschwellige Förderprogramme, zum Beispiel bei der Beratungsförderung.
Niedrigschwellig ist tatsächlich auch ein Programm der NRW.BANK - das nennt sich NRW.BANK.Invest Zukunft. Das ist ein Förderdarlehen mit Tilgungszuschuss. Das Darlehen ist zinssubventioniert und bietet KMU einen Tilgungszuschuss bis zu 20 Prozent. Dieses Programm ist dafür gemacht, Unternehmen Investitionen in grüne Technologien zu erleichtern.
Warum ist das Thema CO₂-Kosten aus Ihrer Sicht aktuell eines der wichtigsten Wirtschaftsthemen für Unternehmen in NRW?
Für Unternehmen ist das Thema auf jeden Fall zentral, wobei der Begriff CO2-Kosten ja ein abgeleiteter Begriff ist. Im übertragenen Sinne entstehen CO2-Kosten durch den Verbrauch fossiler Energie. Wer viel fossile Rohstoffe verbrennt - dabei entsteht ja CO2 -, der treibt seine CO2-Emissionen hoch, und so entstehen CO2-Kosten. Eine schlechte CO2-Bilanz kann zudem das Image eines Unternehmens negativ beeinflussen, wodurch Kosten entstehen. Drittens werden perspektivisch Unternehmen von Banken noch stärker auf ihre CO2-Bilanz hin geprüft. Und das wird zunehmend auch Einfluss auf die Finanzierungskonditionen von Unternehmen haben.
Gibt es in den Unternehmen ein Bewusstsein für den notwendigen Wandel hin zu einer emissionsarmen und klimaresilienten Wirtschaft?
Ich kenne kein Unternehmen, dass sich darüber noch keine Gedanken gemacht hätte. Es ist eher eine Frage der Priorität. Wir haben einen starken Treiber - das sind die hohen Energiepreise. Wenn ich als Unternehmen hingehe und meine Energiepreise senken möchte, dann bietet es sich natürlich auch an, eine eigene Photovoltaikanlage aufs Dach zu setzen oder mich vielleicht an einem Windpark zu beteiligen. Damit senke ich auch meine CO2-Kosten, indem ich in Erneuerbare investiere. Also bei Unternehmen ist das Thema angekommen. Der Handlungsdruck, den Unternehmen verspüren, ist unterschiedlich.
„Wenn wir über grüne Transformation sprechen, gibt es viele Hebel, die ich bedienen kann. Und das Umlegen der verschiedensten Hebel kann gefördert werden.“
Förderberater der NRW.BANKWas erwartet die Teilnehmenden konkret in Ihrem Beitrag beim Workshop am 10. März in Recklinghausen?
Grundsätzlich möchte ich im Workshop „CO2‑Kostencheck“ zeigen, welche Förder- und Finanzierungsinstrumente für Unternehmen überhaupt am Markt sind. Es ist wichtig zu verstehen, dass es Zuschüsse gibt für Investitionen in grüne Technologien oder Verfahrensweisen. Viele Unternehmen benötigen gerade in der Anfangszeit eine Beratung – auch dafür gibt es spezielle Fördertöpfe. Und es gibt Programme, die es Unternehmen erlauben, sich mit anderen zu vernetzen. Es geht darum, diese Vielfalt an Möglichkeiten aufzeigen. Natürlich werde ich auch konkrete Förderprogramme und Beispiele benennen.
Was ist aus Ihrer Sicht der wichtigste erste Schritt bei der Transformation zu einer emissionsarmen Wirtschaft, den Unternehmen jetzt gehen sollten – auch ohne große Investitionen?
Es gibt ein entscheidendes Gebot: Frühzeitig schlau machen! Wer eine Förderung haben möchte, sollte den Förderantrag schreiben, bevor er mit der Investition beginnt. Mache ich es andersherum kann es sehr gut sein, dass ich den Förderanspruch verliere. Das muss man wissen! Man kann bei uns anrufen, wir beraten kostenlos. So geben wir den Unternehmen Orientierung und erste Hilfestellungen. Gerade für kleine und mittelständische Unternehmen gibt es viele Organisationen in Nordrhein-Westfalen, die im öffentlichen Auftrag agieren und auch technisch und fachlich beraten – manchmal ist eine Erstberatung umsonst oder eben für kleines Geld erhältlich.
Wenn wir über grüne Transformation sprechen, ist es wichtig zu wissen, dass es viele Hebel gibt, die ich bedienen kann. Und das Umlegen der verschiedensten Hebel kann gefördert werden. Das eine ist der Fragenkomplex: Wo kommt meine Energie her? Möchte ich in Erneuerbare investieren? Aber auch: Wie gestalte ich mein Produkt? Der Blick auf die Wertschöpfungskette. Das ganze Thema Kreislaufwirtschaft wird immer bedeutsamer. Wie kann ich mich als Unternehmen im Sinne der Kreislaufwirtschaft auch neu erfinden? Das sind ganz wichtige Fragen, die Unternehmen stellen sollten. Entscheidend ist – auch bei der Beantwortung dieser Fragen gibt es Hilfe und diese Hilfe kann ebenfalls gefördert werden.
NRW.BANK
Als Förderbank für Nordrhein-Westfalen unterstützt die NRW.BANK das Land bei seinen struktur- und wirtschaftspolitischen Aufgaben. Sie agiert dabei im öffentlichen Auftrag, wettbewerbsneutral und setzt das gesamte Spektrum kreditwirtschaftlicher Förderprodukte ein – vom klassischen Kredit bis zur maßgeschneiderten Beratung. Ihre drei Förderfelder sind „Wirtschaft“, „Wohnraum“ sowie „Infrastruktur/Kommunen“. Nachhaltigkeit ist dabei ein zentrales Leitmotiv. Die NRW.BANK fördert die notwendige Transformation Nordrhein-Westfalens hin zu einer emissionsarmen und klimaresilienten Wirtschaft.




