Die Idee: Wasserstoff greifbar machen
Wasserstoff gilt als Hoffnungsträger der Energiewende. Doch zwischen großen Visionen und handfesten Anwendungen klafft oft eine Lücke. Vor allem für kleine und mittelständische Unternehmen. Genau hier setzt das H2 Solution Lab an. Statt im Elfenbeinturm zu forschen, will man in Gelsenkirchen technische Lösungen gemeinsam mit Unternehmen entwickeln, erproben und in die Anwendung bringen.
„Wir wollen, dass Unternehmen bei uns ankommen, ihre Ideen entwickeln und dann direkt starten können“, erklärt Prof. Dr. Bernd Kriegesmann, Präsident der Westfälischen Hochschule.
Geplant ist eine Labor- und Werkstattfläche von rund 2.000 Quadratmetern, die mit modernster Wasserstofftechnik ausgestattet ist. Der Fokus liegt auf Systemlösungen bis zu einer Leistung von 1 Megawatt – eine Größenordnung, die insbesondere für mittelständische Betriebe relevant ist. „Während große Forschungszentren oft für Industriekonzerne arbeiten, richten wir uns an Betriebe, die ihre Produktion auf Wasserstoff umstellen wollen, aber noch viele Fragen haben, sei es zur Technik, zur Wirtschaftlichkeit oder zur Umsetzung“, so Brodmann.
Was wird dort passieren?
Im H2 Solution Lab können Unternehmen ihre Komponenten testen – vom Ventil bis zur kompletten Anlage. Brennstoffzellen, Elektrolyseure, Kompressoren, Speicher oder Betankungstechnik: alles kann untersucht und weiterentwickelt werden. Durch die enge Verknüpfung verschiedener Fachdisziplinen, von Ingenieurwissenschaften über Chemie bis Informatik, entsteht ein einzigartiges Kompetenznetzwerk.
„Wir arbeiten nicht nur an Teillösungen, sondern betrachten das Thema ganzheitlich“, sagt Brodmann. Ein besonderer Vorteil liegt in der Praxisnähe: Es geht nicht nur um Simulationen, sondern um echte, anfassbare Ergebnisse, die direkt in die Unternehmen getragen werden.
Warum gerade Gelsenkirchen?
Kaum eine Region steht so sinnbildlich für den industriellen Wandel wie das nördliche Ruhrgebiet. Mit dem H2 Solution Lab wird genau hier eine Lücke geschlossen, die bisher viele Unternehmen davon abhielt, in Wasserstofftechnologien zu investieren: der fehlende Zugang zu Know-how, Infrastruktur und Partnern.
„Gelsenkirchen ist eine Energie- und Wasserstoffstadt – das ist ein entscheidender Vorteil gegenüber anderen Regionen, die erst Strukturen aufbauen müssen“, sagt Kriegesmann.
Tatsächlich ist die Region dank bestehender Pipelines, Tankstelleninfrastruktur und der Nähe zu energieintensiven Industrien wie Chemie, Stahl und Lebensmittelverarbeitung ein idealer Standort. Viele Unternehmen wollen umstellen, brauchen aber Hilfe beim Wie. Das H2 Solution Lab liefert Antworten.
Von der Hochschule in die Wirtschaft
Die Westfälische Hochschule hat sich in den letzten Jahren als Motor für die Wasserstoffforschung etabliert. Bereits heute gibt es erste Start-ups, die aus der Hochschule hervorgegangen sind und Wasserstofflösungen entwickeln.
„Solche Unternehmen siedeln sich derzeit auch auf dem Gelsenkirchener Gelände der Uniper an und bringen neue Applikationen für die Wasserstoffwirtschaft hervor“, berichtet Kriegesmann.
Das H2 Solution Lab wird diesen Gründungsgeist fördern und gleichzeitig neue Jobs schaffen. Geplant sind Dutzende Forschungs- und Technikerstellen direkt an der Hochschule, hinzu kommen potenziell mehrere hundert neue oder gesicherte Arbeitsplätze in Unternehmen der Region.
Ein Ort zum Ausprobieren
Das Projekt ist Teil des 5-StandorteProgramms des Landes NRW, das den Strukturwandel nach dem Kohleausstieg begleitet. Mit Fördermitteln in Höhe von über 40 Millionen Euro soll hier nicht nur geforscht, sondern vor allem entwickelt, getestet und umgesetzt werden.
Bis 2030 soll sich das H2 Solution Lab zu einem zentralen Knotenpunkt der Wasserstoffwirtschaft entwickeln. Denn eines ist klar: Wer den Wandel zur klimaneutralen Industrie schaffen will, braucht praxistaugliche Lösungen, keine Showcases.
„Wir schaffen hier nicht nur eine Forschungsumgebung, sondern ein praxisnahes Ökosystem für den Markthochlauf der Wasserstoffwirtschaft“, sagt Kriegesmann.
„Mit unserer starken Verankerung in der Region und unseren vielseitigen Partnerschaften sind wir überzeugt, dass das Labor ein wesentlicher Baustein der Energiewende sein wird.“
Das H2 Solution Lab ist mehr als ein Forschungslabor. Es ist ein Zukunftsort für Unternehmen, ein Innovationsmotor für die Region und ein konkreter Schritt in Richtung Energiewende. Es bringt die Wasserstoffwirtschaft vom Konzept in die Wirklichkeit – mitten im Ruhrgebiet, mitten im Wandel.
5‑StandorteProgramm: Strukturwandel im Ruhrgebiet
Mit dem 5‑StandorteProgramm treibt das Land NRW den Strukturwandel im Ruhrgebiet gezielt voran. Bis 2038 werden innovative Projekte mit bis zu 662 Millionen Euro aus dem Investitionsgesetz Kohleregionen gefördert. Ziel sind zukunftsweisende Investitionen und neue Arbeitsplätze auf dem Weg zur grünsten Industrieregion der Welt. Das Programm umfasst die Standorte Duisburg, Gelsenkirchen, Herne, Hamm sowie den Kreis Unna.
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