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Greentech.Ruhr
Neues Wachstum durch Klimaschutz

Welche Rolle spielt der Klimaschutz für das wirtschaftliche Wachstum? Die Corona-Krise bietet Chancen für Unternehmen und Umwelt, die genutzt werden müssen. Es gilt anzupacken, fordert Prof. Dr. Claudia Kemfert vom  Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) in ihrem Buch „Mondays for Future“: am Freitag demonstrieren, am Wochenende diskutieren, aber auch ab Montag anpacken und umsetzen.

Im Innovation Talk von Greentech.Ruhr haben wir gemeinsam mit der Wirtschaftsexpertin sowie Mona Neubaur, Landesvorsitzende Bündnis 90/Die Grünen NRW, Arnd Fittkau, Mitglied des Vorstands von Vonovia SE, Anja Surmann, Geschäftsführerin Klima.Diskurs NRW e.V.,Michael Groschek, Präsident Deutscher Verband für Wohnungswesen, Städtebau und Raumordnung e.V. und Prof. Dr. Ulrich Paetzel, Vorstandsvorsitzender Emschergenossenschaft/Lippeverband disktuiert.

Das sind die Ergebnisse: 

Rasmus C. Beck – Geschäftsführer Business Metropole Ruhr GmbH

Das Thema Umweltschutz ist in der Metropole Ruhr kein Gegensatz zu wirtschaftlichem Wachstum. Eine Transformation findet seit mehreren Jahren bereits statt – sowohl in der Industrie wie auch im Mittelstand. Als Wirtschaftsförderer agieren wir mit den Unternehmen, die diesen Change-Prozess vorantreiben – hin zu mehr Innovation, zu mehr Beschäftigung.

Der Green Deal der EU zeigt, dass künftig jede wirtschaftliche Förderung auch gewissen Klimaschutzzielen Rechnung tragen muss. Das ist kein limitierender Faktor, sondern wir wollen diese Entwicklung aus der Metropole Ruhr mit gestalten und sind dabei mit vielen Projekten und Initiativen auf einem sehr gut Weg.

Prof. Dr. Claudia Kemfert, Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung

Den Neustart nach Corona können wir nutzen für Klimaschutz und für eine nachhaltige Wirtschaft. Denn Umweltschutz ist Innovations- und Wirtschaftsmotor – und zwar dauerhaft. Wir brauchen eine Dekarbonisierung in der gesamten Wirtschaft und dafür müssen wir gemeinschaftlich investieren.

Es gilt aber auch sehr energieintensive Prozesse zu vermeiden. Wir müssen an jedem Punkt auf die Effizienz gucken. Das heißt nicht, dass wir keine Wasserstofftechnologie brauchen, aber diese ist für die Schwerindustrie, Schwertransport und Schifffahrt reserviert.

Es geht hier um jede Menge Geld für Investitionen in Zukunftstechnologien, aber jetzt sind wir in der Zeit, in der wir Gelder in die Hand nehmen können.

www.claudiakemfert.de

Mona Neubaur – Landesvorsitzende der Grünen NRW

Die aktuelle Situation führt dazu, dass wir viele Verhaltensweisen infrage stellen. Der Staat und Europa haben eine große Bereitschaft, die Mittel zum Wiederaufbau der Wirtschaft in eine ökologische Bahn zu lenken.

Den Kommunen kommt eine besondere Rolle zu. Sie müssen in der Lage sein, selbst Investitionen tätigen zu können, um Impulse zu setzen und als Vorbild zu fungieren.

Die Städte müssen den Menschen zurückgegeben werden. Das grüne Wirtschaftswunder kann gelingen, wenn wir Akzeptanz in der Zivilgesellschaft schaffen.

gruene-nrw.de

 

Arnd Fittkau - Mitglied des Vorstandes, Vonovia SE

Die begrenzten Ressourcen in der Wohnungswirtschaft müssen ökologisch eingesetzt werden. Dazu braucht es Planungssicherheit und beschleunigte Prozesse. Die energetische Sanierung der Wohnungsbestände aus den 60er und 70er Jahren müssen öffentlich gefördert werden und dürfen nicht zu Mieterhöhungen führen.

Förderung für regenerative Energien im Quartier muss Experimentierfreude ermöglichen und hybride Heizsysteme und Speichertechnologien unterstützen. So können wir das Tempo erheblich steigern.

www.vonovia.de

Anja Surmann – Geschäftsführerin von Klimadiskurs NRW

Die Wissenschaft stößt auf offene Ohren, doch die Umsetzung geht nicht durch politische Vorgaben, sondern nur mit einer hohen Akzeptanz bei den gesellschaftlichen Kräften.

Es braucht einen Gesellschaftsvertrag und Bündnisse vor Ort, in denen die Diskurse geführt werden können. Der Konsens unter allen Stakeholdern ist systemrelevant, stützt unser fragiles System und beschleunigt den Prozess.

www.klimadiskurs-nrw.de

Michael Groschek – Präsident des Deutschen Verbandes für Wohnungswesen

Im Bereich der Wohngebäude haben wir ein Umsetzungs-, kein Erkenntnisproblem. Das Konjunkturpaket muss jetzt verlässliche Leitplanken festlegen und Orientierung geben, z.B. in der überfälligen Vorlage zur Baunutzungsordnung.

Bei der Betrachtung der CO2-Einsparung müssen wir uns lösen von der Einzelimmobilienbetrachtung und stattdessen den Quartierszusammenhang sehen. Wir müssen Mobilität und Wohnen zusammendenken, die den ÖPNV und den Radverkehr stärker priorisieren.

Mieterstrommodelle sorgen dafür, dass auch die ungenutzten Potenziale von Solarstrom auf Mehrfamilienhäusern genutzt werden können. Beratung und Förderung muss niederschwellig sein. Technologieoffenheit und mehr Pragmatismus sind jetzt gefordert.

www.deutscher-verband.org

Prof. Dr. Ulrich Paetzel – Vorstandsvorsitzender Emschergenossenschaft/Lippeverband

Mit dem fast abgeschlossenen Emscherumbau hat das Ruhrgebiet bereits ein Projekt vorzuweisen, das richtungsweisend in der nachhaltigen Wasserwirtschaft ist. Die grundlegende Wasserinfrastruktur darf nicht dem Profitdenken des Marktes unterworfen sein. Wärmeerzeugung aus Abwasser bietet ein riesiges Potenzial und soll beispielsweise im neuen Quartier Essen 51 umgesetzt werden.

Im Bereich Mobilität müssen die Konjunkturhilfen mutig eingesetzt werden. Die Priorisierung der Straße muss zugunsten der Schiene aufgegeben werden. Gegen die Hitzeinseln in den Städten sind Wasser und Begrünung die Schlüssel.

www.eglv.de

Michael Groschek und Prof. Dr. Claudia Kemfert antworten auf Fragen

Bei einer Sanierungsquote von unter einem Prozent bedarf es kostengünstiger, volkswirtschaftlicher Lösungen. Ein Innovation-Talk-Teilnehmer frage die Wohnungswirtschaft: Welche Initiativen zur Erreichung der Klimaziele mittels erneuerbaren Energien werden von der Wohnungswirtschaft unterstützt?

Ein weiterer Innovation-Talk-Teilnehmer fragt Prof. Dr. Claudia Kemfert: Welche Chancen gibt es für die Verknüpfung der Finanzhilfen für die Lufthansa mit dem Verbot von Inlandsflügen auf den Strecken der Bahn? Wäre das aktive Klimapolitik oder ist das eine Einmischung in unternehmerische Entscheidungen?

Schlussworte

Prof. Dr. Claudia Kemfert: Wir brauchen einen partizipativen Prozess bottom-up. Hierbei kommt den Kommunen eine enorm wichtige Rolle zu. Gebäudesanierung und Mobilitätsthemen sind im Ruhrgebiet entscheidende Themen. Der Einsatz von Wasserstoff sollte für die Schwerindustrie, nicht für die Gebäudeenergie zum Einsatz kommen.

Mona Neubaur: Das Ruhrgebiet hat das Potential zum Vorreiter polizentrischer Mobilität zu werden. Kluge Strukturpolitik muss die kleinen und mittelständischen Unternehmen unterstützen.

Anja Surmann: Ökonomie und Ökologie müssen Hand in Hand gehen. Die Metropole Ruhr hat ihre Stärken im Strukturwandel schon oft bewiesen. Netzwerke wie Greentech.Ruhr bringen die Region voran.

Arnd Fittkau: Kurze Wege in der Metropole Ruhr machen die Zusammenarbeit leicht. Die dichte Siedlungsstruktur bietet viel Potential, gerade im Bereich energetische Sanierung.

Michael Groschek: Zur Umsetzung der Klimaziele 2030 sollten wir uns an langfristigen Zielen wie Olympia 2032 orientieren und von Wahlperioden lösen. Mit einer programmatischen Bündelung kann die Metropole Ruhr zum Schaufenster der Klimawende werden.

Rasmus C. Beck: Die urbane Region wird weiter Gegenstand von Investitionen sein. Dabei definiert sich eine lebenswerte Stadt durch andere Kriterien als in der Vergangenheit. Umweltbewußtsein ist ein Grundbedürfnis der Menschen in den Städten geworden. Die Wirtschaftsförderungen muss sehen, was sie mit der Wirtschaft dafür tun kann.

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