34 Jahre alt und noch jung, wissend und noch mehr wissenshungrig, mitten im Leben – eigentlich. Andreas Sturm ist tot. Gestorben bei einem Verkehrsunfall im Urlaub, als Fußgänger auf dem Bürgersteig von einem Auto überfahren. Das ist ein Schock, für alle, die ihn kannten.
Das Leben zieht seine Kreise und die Menschen sind sich manchmal näher und andere sind ferner. Wenn ein Arbeitskollege stirbt, ist das oft eine fernere Umlaufbahn. Man trauert, ist betroffen und geht doch irgendwann nach Hause. Bei Andreas war das anders. Er verband diese Kreise im Leben – und das macht die Trauer umso größer.
Wer Andreas in seiner Rolle als Projektmanager des 5-StandorteProgramms begegnete, fand einen wachen Geist, einen sorgfältigen Unterstützer. Seit über drei Jahren arbeitete er in dem kleinen Team und dem Netzwerk der kommunalen Partner. Ein klarer, ein guter Kommunikator - zuletzt im Juli bei der Organisation der Veranstaltung „Wettbewerbsfähig bleiben durch Transformation“.
Nach Stationen in Bremen und Münster war Andreas zur BMR endgültig ins Ruhrgebiet gezogen, er der gebürtige und wirkliche Lippstädter. Ein typischer Ruhrgebietler. Nicht von hier, aber hier angekommen.
Wie das Ruhrgebiet von seinen Klischees verzerrt wird, könnte auch die Liste seiner Freizeitthemen ein falsches Bild erzeugen. Biermarken, Sport, Wolfgang Petry? Das klingt einfach und oberflächlich. Nur das Gegenteil ist der Fall. Gerade deshalb müssen sie an dieser Stelle erwähnt werden. Die einfachen Dinge machte er interessant, die interessanten machte er leicht.
Akribisch, tief, stöbernd und einweihend, nicht aufdrängend sein Wissen um die schönen Dinge des Lebens. „Ganz oder gar nicht“, sang Wolfgang Petry und das galt auch für Andreas Sturm.
Die Geschichte der Brauereien im Ruhrgebiet, die Bedeutung von Holzornamentik in der Architektur, die Qualitäten des SV Lippstadt. Weiß der Geier oder weiß er nicht? Andreas wusste es.
Er machte sich viele Gedanken. Nachdenklich und emotional, ein guter Zuhörer und Gesprächspartner. Ein Mann, der sich nicht verbog. Der gerade und trotzdem offen blieb.
Er verband Menschen, mit dem Blick für das Gemeinsame und für das Verbindende in Neuem. Mit seiner Begeisterung für das große Ganze und für die Details brachte er Menschen zu neuen Erlebnissen – in Themenfeldern, in die sie sich ohne den augenzwinkernden, zuversichtlichen Andreas Sturm nicht gewagt hätten.
So verband er die Kreise des Lebens. Mit Familie und Arbeitskolleginnen zu den RuhrGames, mit Freunden und Kollegen auf Konzerte, Cranger Kirmes oder die Südtribüne der Dortmunder Borussia. Er brachte Menschen zusammen, die sich so nicht gefunden hätten, auch abseits des wöchentlichen Pizzaessens oder der BMR-Kegelrunde.
Andreas Sturm verband diese Kreise mit großer Lust. Aus Kollegen und Kolleginnen wurden Freunde und Freundinnen, für die er neue Welten öffnete.
Das bleibt.
