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© Shutterstock/ImageFlow Hände, die auf der Tastatur eines Laptops tippen; darüber liegen als Icons mehrere Schlösser

Cybersecurity ist relevant für alle Unternehmen“

18.08.2026

Das Bochumer Start-up ENTRYZERO hat es sich zur Aufgabe gemacht, Cyberkriminelle mit ihren eigenen Waffen zu schlagen. Mit KI-gestützten Lösungen hilft es Unternehmen, Cyber-Bedrohungen frühzeitig zu erkennen und Risiken zu minimieren. Gegründet wurde das Unternehmen von Samet Gökbayrak und Dr. Mohamad Sbeiti. Im Interview erzählen sie, warum Cybersicherheit ein Querschnittsthema ist und wie ihnen das Ökosystem im Ruhrgebiet dabei hilft, ihre Vision umzusetzen.

Sie haben mit Ihrem Start-up ENTRYZERO kürzlich eine erfolgreiche Finanzierungsrunde abgeschlossen und neue Investoren gewonnen. Was bedeutet dieser Schritt für Ihr Unternehmen? Welche nächsten Ziele rücken damit in den Fokus?

Dr. Mohamad Sbeiti: Wir freuen uns, dass wir dieses Investment bekommen haben. Es ist ein Vertrauensbeweis für unsere Vision und dafür, wo wir heute am Markt stehen. Insbesondere freut es uns, dass die Investoren aus Deutschland kommen, aus der Region. Die Finanzierung gibt uns gewisse Sicherheiten, um unsere Ziele zu realisieren. Das Investment ist gedacht, um drei Säulen zu stärken. Säule eins ist die Produktentwicklung. Hier geht es darum, unser Produkt bei einigen Features stärker auszubauen, insbesondere die KI-gestützte Cybersicherheitsplattform. Die zweite Säule ist das Team, das wir im Bereich Künstliche Intelligenz, aber auch im Bereich Vertrieb noch stärker ausbauen wollen. Und Säule drei – und das ist die wichtigste Säule im Kontext Investment – ist der Markt. Wir wollen unsere Präsenz insbesondere in Deutschland noch stärker ausbauen, um in etwa 18 Monaten in Richtung Internationalisierung weiterzudenken.

Im vierten Quartal dieses Jahres wollen wir unser Produkt „Wingman“ launchen. Das ist eine Art KI-gestützter digitaler Elite-Hacker. Das ist eine Komponente, die proaktiv in Unternehmen Sicherheitslücken findet, sodass die Unternehmen diese beheben können, bevor richtige Hacker sie ausnutzen. Das wollen wir mit diesem Investment realisieren. Denn IT-Sicherheit ist kein Nischenthema mehr. Früher haben nur die Techies mit dem Computer gearbeitet, heute machen das alle. Und das ist das Ziel: IT-Sicherheit anwendbar zu machen für jeden Menschen und mit unserem Produkt einen digitalen Partner an der Seite zu haben, der beim Schützen der IT alles für einen erledigt.

Sie sagen, IT-Sicherheit ist für alle Unternehmen relevant. Für wen ist Ihre KI-gestützte Cybersicherheitslösung interessant? 

Samet Gökbayrak: Cybersecurity ist natürlich ein Querschnittsthema und grundsätzlich relevant für alle Unternehmen in diversen Bereichen. Wir sind dabei, gewisse Branchen zu identifizieren, in denen wir gut positioniert sind und zu denen unser Produkt besser passt als zu anderen. Losgelöst von der Branche gibt es gewisse Parameter: Unser Ansatz ist insbesondere dort hilfreich, wo es eine komplexe IT-Infrastruktur gibt. Das trifft zum Beispiel auf Unternehmen zu, die mehrere Tochtergesellschaften – im besten Fall international – haben und die dezentrale IT-Infrastrukturen haben, wo es eine etwas unübersichtliche Situation gibt. Wenn die zentrale Einheit, der Chief Security Officer beispielsweise, keinen vollständigen Überblick hat, aber sicherstellen muss, dass die gesamte Organisation sicher ist. Das trifft zum Beispiel auf Hochschulen und Forschungseinrichtungen, auf den Medizinsektor, aber auch auf Distributoren und Lieferketten zu.

Sie haben sich für Bochum als Firmensitz entschieden, weil Sie dort studiert haben und sich dort auskennen. Bochum hat ein starkes Cyber-Ökosystem. Welche Rolle hat dieses Umfeld für Ihre Entwicklung gespielt?

Dr. Mohamad Sbeiti: Genau, wir wohnen im Ruhrgebiet, aber waren beide in Bonn und an anderen Standorten. Wir hätten die Möglichkeit gehabt, die Firma woanders zu gründen, aber wir haben uns bewusst für Bochum entschieden, weil aus unserer Sicht Bochum sehr stark assoziiert ist mit IT-Sicherheit. Die Stadt bezeichnet sich mittlerweile als Hauptstadt der IT-Sicherheit. Wir freuen uns sehr darauf, wenn auch die gesamte Region hier als ein Hub für IT-Sicherheit fungiert. Das hilft uns indirekt und direkt beim Marketing, dass wir sagen können, wir kommen aus dieser Region, aus Bochum. 

Samet Gökbayrak: Und wir können sagen: das Ökosystem gibt es nicht nur in einer Power-Point-Präsentation, sondern es ist ein gelebtes Ökosystem in Bochum und im Ruhrgebiet. Das haben wir seit Tag eins gespürt. In der ersten Phase wurden wir über das StartUpSecure Programm des Bundesministeriums für Forschung, Technologie und Raumfahrt gefördert. Da hat Cube 5 als Inkubator in Bochum eine große Rolle gespielt und uns unterstützt, dass wir diese Förderung bekommen. Darüber hinaus hat uns zum Beispiel die Bochum Wirtschaftsentwicklung bei der internationalen Vernetzung zu Firmen oder Messen wie der Vivatech Paris unterstützt. Die Stärke des Cyber-Ökosystems spüren wir aber auch, wenn wir unsere Geschäftspartner einladen und mit dem Netzwerk zusammenbringen. Und last but not least die Business Metropole Ruhr, von der wir letztes Jahr eine Einladung nach Manchester bekommen haben. So ist ein Kontakt zu einem Professor der Universität Manchester entstanden, der inzwischen in unserer Firma mitagiert. Das heißt, dieses Ökosystem, das feiern wir. Und wir versuchen bei jeder Gelegenheit, etwas zurückzugeben, weil wir wissen, dass ein Ökosystem in beide Richtungen bespielt werden muss.

Dr. Mohamad Sbeiti: Was uns hier in der Region am meisten inspiriert, ist dieser Slogan auf der A40 – „Ich komme aus Wir“. Das ist echt: die Anpacker-Mentalität, die gegenseitige Unterstützung, die es hier im Ruhrgebiet gibt. Wir haben in unseren vorherigen Jobs auch andere Atmosphären erlebt, selbst wenn es um gemeinsame Ziele ging. Aber hier spüren wir das wirklich, dieser kollaborative Ansatz und dass die Leute sich unterstützen. „Ich komme aus Wir“ finden wir deshalb ein super Motto.

Die Gründer von ENTRYZERO

Dr. Mohamad Sbeiti ist Cybersicherheitsexperte mit über zehn Jahren Erfahrung in technischen und leitenden Rollen. Er studierte IT-Sicherheit am Horst-Görtz-Institut der Ruhr-Universität Bochum und promovierte an der TU Dortmund im Bereich IT-Sicherheit und Kommunikationsnetze. Er leitete Security Consulting und Angriffsflächenanalysen für Unternehmen wie CARIAD, Volkswagen, T-Systems und Deutsche Telekom. Zudem initiierte er Forschungskooperationen mit der Ruhr-Universität Bochum und dem Kompetenzzentrum Maschinelles Lernen Rhein-Ruhr.


Samet Gökbayrak ist Strategie- & Business Development-Experte mit über zehn Jahren Erfahrung in der internationalen Geschäftsentwicklung. Er studierte Informatik in Bochum sowie Wirtschaftsinformatik in Essen und an der Nanyang Technological University in Singapur. Seine Karriere begann er bei MHP, der Porsche-Tochter und führenden Automotive-Beratung. Im Vorstandsumfeld der Deutschen Telekom trieb er die Markteinführung innovativer IoT-Technologien voran und war Mitgestalter für das technologische Ökosystem des Konzerns. Er verantwortete konzernweite Programme mit Fokus auf Cloud- und IoT-Technologien.