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Tesla zeigt, dass die Zeit der Großansiedlungen in Deutschland zum Glück nicht vorbei ist. Tesla geht mit der Giga-Factory auf ein riesiges Areal nahe Berlin. Diese Nachricht schlug ein wie ein Blitz. So eine große Ansiedlung eines einzelnen Unternehmens ist auf den ersten Blick nur schwer planbar, ein Glücksfall, der aber bei genauerem Hinsehen an ganz bestimmte Voraussetzungen geknüpft ist, die man gestalten kann und muss.

Wollen wir noch weiter wachsen?
Das Argument „wir wollen so großflächige Ansiedlungen gar nicht mehr, denn es geht uns doch gut“ ist oft nur eine trügerischer Schnellschuss und zudem eine Schutzbehauptung für eine verfehlte regionale Wirtschaftspolitik. Richtig ist: Viele Regionen hätten gar nicht ausreichende Flächenpotenziale kurzfristig verfügbar gehabt, um eine Ansiedlung wie Tesla zu realisieren. Und genau daran muss sich etwas ändern - auch bei uns im Ruhrgebiet!

Für Hightech-Jobs bedarf es auch in Zukunft noch großer Flächen.
Räumliche Kontexte werden nicht hinweg-digitalisiert, weil sie für Unternehmen kritische Wettbewerbsvorteile bieten. Dies zeigt auch meine Erfahrung: Denn mir wäre keine erfolgreiche Wirtschaftsförderungs-Story bekannt, die ohne verfügbare Gewerbeflächen signifikant Beschäftigung in wissens- oder technologieorientierten Branchen gebracht hätte. Selbst das Silicon Valley hat diese Startvoraussetzung mit der Keimzelle des „Stanford-Research-Park“ und viel „Freiraum“ drumherum gehabt und bis heute konsequent genutzt.

Das Beispiel Opel-Fläche zeigt, wie es geht!
Bochum ist ein gutes Praxisbeispiel aus Deutschland: Es ist gerade mal fünf Jahre her, dass der letzte Zafira hier mit 3500 Mitarbeitern bei Opel vom Band lief. Seit dieser Woche laufen auf dem ehemaligen Opel-Gelände wieder die Bänder, und zwar die von DHL. Das gerade eröffnete und hochmoderne Paketverteilzentrum bietet 600 Menschen Arbeit. In wenigen Jahren werden über 6000 Menschen auf dem Gelände Arbeit finden. Besonders in der Forschung und Entwicklung von Bosch, Volkswagen und der Ruhr-Universität, die allesamt planen, sich hier neben Startups und Forschungseinrichtungen anzusiedeln. Statt eines großen Werks, sind es hier viele Unternehmen, für die eine direkte Nachbarschaft zu Mitbewerbern, Dienstleistern, Zulieferern, Hochschulen und Fachkräften ein wichtiger Standortfaktor ist.

Räumliche Nähe ist auch im Digitalen Wandel weiterhin relevant.
Das Beispiel Bochum zeigt klar auf: Auch in Zeiten des digitalen Wandels ist die räumliche Nähe eine Grundlage für wirtschaftliches Wachstum. Aus technologischer Nähe der Unternehmen entsteht durch Kooperation soziale Nähe, die wiederum Nährboden ist für Vertrauen, Kreativität und Innovation. Wenn dieser Kreislauf funktioniert, haben alle Beteiligten einen großen Wettbewerbsvorteil gewonnen und der Standort profitiert enorm. Um diese Potenziale aber zu heben, braucht es zunächst passgenaue, urbane Flächenangebote und einen regionalen Konsens darüber, dass sie benötigt und entwickelt werden.

Flächenkonkurrenzen mit Grünzügen, Wohnflächen und Freiraum müssen abgewägt werden.
Eines ist aber auch klar: Große, zusammenhängende Gewerbeflächen in guter Lage sind in Zukunft schwer zu mobilisieren. In jeder Stadt existieren Flächenkonkurrenzen mit anliegenden Grünzügen, Wohnflächen und Freiraum. Eine stärker werdende „not in my backyard-Mentalität“ vieler Bürgerinitiativen macht es auch nicht leichter, breite Akzeptanz zu erzeugen. In der Wirtschaftsförderung müssen wir trotzdem lauter werden und als Impulsgeber aufzeigen, dass Gewerbeflächen für regionales Wachstum dringend gebraucht werden.

Moderne Gewerbegebiete sind Job-Motoren.
Die Empirie zeigt deutlich: Die Beschäftigung ist eng an die Ausweisung neuer Gewerbe- und Industriegebiete geknüpft. 61% der zwischen 2012 und 2017 neu entstandenen Jobs sind im Ruhrgebiet in Gewerbegebieten entstanden. Und wegen der Flächenverfügbarkeit und den daraus resultierenden Vermarktungserfolgen hat die Region heute den höchsten Beschäftigungsstand seit dem Jahr 1981. Aber nun wird es zunehmend eng, gerade weil die Region bei Investoren attraktiv ist.

Die ausreichende Ausweisung von Flächen ist ein Beitrag zur Daseinsvorsorge.
Sich für Wachstum und neue Flächenausweisungen einzusetzen, ist kein Gegensatz zu ökologischer Nachhaltigkeit und grundsätzlicher Flächensparsamkeit. Im Gegenteil: Ein modernes, urbanes Gewerbegebiet in Ballungsgebieten wird meistens eine revitalisierte Brache sein, kaum Emissionen aufweisen und eine hohe Aufenthaltsqualität bieten müssen. Die Befürchtung einer versiegelten Betonwüste ist daher meist unbegründet und entspricht eher einem „1970er-Jahre-Gewerbegebiet“ aus der Vergangenheit.

Flächenentwicklung ist kein „Single-Player-Game“.
Wirtschaftsförderungen, Kammern und Verbände können und sollten in der Flächenentwicklung gegenüber Planern, Bürgern, Politik, Verwaltung und Grundstückseigentümern verstärkt um Akzeptanz werben. Es geht nicht um viel weniger als die Frage, ob Standorte auch in Zukunft weiter wachsen sollen. Stumpfe Interessenpolitik ist dabei ebensowenig gefragt wie ewige Arbeitskreise und Abstimmungen. Es geht um zielgerichtete und akteursübergreifende Verständigung, deren notwendige Bedingung Flächenausweisung ist.

Kooperation ist der Schlüssel: Das Ruhrgebiet kann hier ein Vorreiter sein.
Meistens liegen verfügbare Großareale am Rand von Ballungsgebieten und können nur durch interkommunale Kooperation bei der Planung, Entwicklung, Erschließung und Vermarktung angegangen werden. Hier kann das Ruhrgebiet mit 53 Kommunen ein Vorreiter sein. Kaum eine andere Region braucht in Zukunft mehr Wachstum zum Lückenschluss mit anderen Regionen und ist gleichzeitig auf interkommunale Kooperation zwingend angewiesen, weil nicht in jeder Stadt genügend Flächenpotenziale existieren, um den Bedarf der Wirtschaft langfristig zu befriedigen.

Großansiedlungen wie Tesla müssen auch in Zukunft möglich sein.
Wenn Flächenpotenziale weiterentwickelt werden, ist die Zeit bis zur nächsten Großansiedlungsanfrage im Ruhrgebiet sicher kurz, weil die Region wichtige Assets wie ausreichend Fachkräfte, bezahlbaren Wohnraum und industrielle Infrastruktur bietet. Die Hausaufgaben müssen bis dahin aber erledigt werden.


Wir werden im Ruhrgebiet nun verstärkt gemeinsam loslegen, damit wir auch in Zukunft weiter wachsen können!