Das Problem ist erkannt. Die Lösung kann nur gemeinsam erarbeitet werden. Die Kommunen brauchen Unterstützung bei der Flächensanierung, um dann Unternehmen Wachstum zu ermöglichen - so die klaren Botschaften, die aus dem knapp vierstündigen Konferenzprogramm gesendet wurden. Erstmals hatten die Industrie- und Handelskammern, die Handwerkskammern des Ruhrgebiets gemeinsam mit der Business Metropole Ruhr und den Wirtschaftsförderungen eingeladen. Der Startschuss für einen langfristigen Diskussionsprozesses inklusive Positionspapier.
Worum ging es?
Die Gewerbeflächennot wird zunehmend zum Bremsschuh der wirtschaftlichen Entwicklung im Ruhrgebiet, warnen die zentralen Wirtschaftsverbände der Region. Gemeinsam fordern sie konkrete Maßnahmen zur Förderung und zur Entbürokratisierung.
„Gewerbeflächen sind seit Jahren die Jobmotoren im Ruhrgebiet, hier entsteht ein Großteil der neuen Arbeitsplätze. Umso dramatischer ist es, dass wir aktuell nur noch 468 Hektar restriktionsfrei vermarkten können“, betonte Jörg Kemna, Geschäftsführer der BMR. Das decke den Flächenverbrauch von zwei Jahren.
„Wir müssen raus aus der Flächenfalle. Wir brauchen unbedingt eine vorausschauende Flächenpolitik, damit sich Betriebe ansiedeln und wachsen können”, betonte Stefan Schreiber, Hauptgeschäftsführer der IHK zu Dortmund, die derzeit federführende IHK der Ruhr-IHKs.
„Wir müssen raus aus der Flächenfalle. Wir brauchen unbedingt eine vorausschauende Flächenpolitik, damit sich Betriebe ansiedeln und wachsen können.”
Hauptgeschäftsführer IHK zu DortmundHauptproblem Kommunalfinanzen
Flächen fehlen im Ruhrgebiet, weil altindustrielle Flächen nur kostenintensiv aufbereitet werden können. Den Kommunen fehlt dafür schlicht das Geld. „Wir sind in der schwersten Krise der Kommunalfinanzen seit der Wiedervereinigung“, sagte Thomas Kufen, Oberbürgermeister der Stadt Essen und stellvertretender Vorsitzender des Städtetages NRW. Die Lage werde nicht einfacher.
„Wir wissen um die Not der Kommunen“, sagte Mona Neubaur, nordrhein-westfälische Wirtschaftsministerin. Wichtig sei es auch, die Förderverfahren zu vereinfachen und zu digitalisieren. Als Vorbild nannte sie das 5-StandorteProgramm.
Die Lösung: Gemeinsames Anpacken
Mona Neubaur brachte eine gute Nachricht zum Gipfel mit: Das MWIKE arbeite ganz aktuell an einem „Paket zur Förderung zum Ankauf und für Mittel zur Sanierung von Flächen.“ Und das bereits zum ersten Halbjahr.
Gemeinsam überreichten Stefan Schreiber, Hauptgeschäftsführer der aktuell im Ruhrgebiet federführenden IHK zu Dortmund, Berthold Schröder, Präsident der HWK Dortmund, und BMR-Geschäftsführer Jörg Kemna ein gemeinsames Positionspaper mit konkreten Vorschlägen an die Ministerin.
Das Positionspapier formuliert drei Stoßrichtungen:
- eine strukturierte Förderung der Aufbereitung von Brachflächen, die langfristige Planungssicherheit herstellt
- die Anbindung der Potenzialflächen an das übergeordnete Straßennetz, etwa mit Mitteln aus dem Sondervermögen Infrastruktur und
- eine konsequente Entbürokratisierung kostentreibender Regelungen.
Nach dem Gipfel werde das Thema weiter intensiv in der Debatte gehalten, versprach Stefan Schreiber für die Initiatoren.
„Einfach mal durchziehen“, fasste Paul Frederik Höller den notwendigen Elan bei den nächsten Schritten zusammen. Der Staatssekretär im NRW-Ministerium für Wirtschaft, Industrie, Klimaschutz und Energie diskutierte mit Garrelt Duin (RVR Regionaldirektor), Peter Glauner (CEO Wilo Europe), dem Parlamentarischen Staatssekretär Josef Hovenjürgen (NRW-Ministerium für Heimat, Kommunales, Bau und Digitalisierung), Stefan Schreiber und Berthold Schröder. „Um uns herum werden alle schneller. Wir müssen Tempo aufnehmen“, warnte Joseph Hovenjürgen. „Wir sind ein Umsetzungsraum, nicht nur ein Planungsraum“, sagte RVR-Regionaldirektor Garrelt Duin mit Blick auf erfolgreiche Ansiedlungen. Dennoch sei bei Flexibilität von Planungen und Genehmigungen in Land und Region „noch nicht das Ende der Fahnenstange erreicht“.
„Wir wissen um die Not der Kommunen.”
Wirtschaftsministerin des Landes NRWFlächen verwandeln - das Ruhrgebiet kann und will.
Die wirtschaftliche Entwicklung auf sanierten Flächen kann das Ruhrgebiet vorantreiben - das zeigten Rouven Beeck mit Bochums Mark 51°7 und Gernot Pahlen mit Freiheit Emscher an der Grenze von Essen und Bottrop. Auch Herten sei mit Schlägel & Eisen auf dem Weg, so Bürgermeister Fred Toplak.
Erfolgsgeschichten im Ruhrgebiet sind nicht selten, aber immer schön. Beeindruckend auch für viele Gäste der Ort des Gipfels: Der Wilopark in Dortmund. Modern, offen, digital, für Produktion, Verwaltung und Entwicklung des globalen agierenden Pumpenherstellers Wilo SE. Ein Vorbild für Erfolgsgeschichten auf den zukünftigen Gewerbeflächen des Ruhrgebiets.
Der erste Wirtschaftsflächengipfel.Ruhr war damit auch ein Auftakt für die längerfristige wirtschaftspolitische Verständigung aller Akteure in einer regionalen Allianz zur Aktivierung von Gewerbeflächen. Denn das Ruhrgebiet will wachsen, transformieren und investieren – und braucht dafür die notwendigen Rahmenbedingungen.
Flächenangebot für nur noch gut zwei Jahre
Das aktuell vorhandene Flächenangebot für Unternehmen ist sehr differenziert. Für Ansiedlungen bleiben nur 1.654 Hektar Nettofläche, verteilt auf 592 einzelne Gebiete. Doch ein Großteil dieser Flächen ist mit Restriktionen belastet: 72 Prozent der gewerblichen Flächenpotenziale sind somit teilweise langfristig blockiert. Wirklich restriktionsfrei sind nur 468 Hektar. Damit reicht das Angebot von Flächen mit konkreter Entwicklungsperspektive bei gleichbleibendem Bedarf (rund 180 Hektar/Jahr) nur für etwa zweieinhalb Jahre.
Übergabe des Positionspapiers im Rahmen des Wirtschaftsflächengipfel.RUHR 2026 am 22. April 2026 bei WILO SE in Dortmund (v. l.): Stefan Schreiber (IHK-Hauptgeschäftsführer), Mona Neubaur (stellv. NRW-Ministerpräsidentin und Wirtschaftsministerin), Jörg Kemna (BMR-Geschäftsführer), Berthold Schröder (HWK-Präsident).
© IHK zu Dortmund/Stephan SchützeSie haben weitere Fragen?
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