Edi Rama: Digitalisierung als Hebel für gesellschaftlichen Wandel
Für einen der eindrucksvollsten Impulse des ersten Veranstaltungstags sorgte Edi Rama, Premierminister Albaniens. In seiner Opening Keynote „AI, Power & Progress: Rethinking Leadership for a New Era“ zeichnete er ein Bild davon, wie Künstliche Intelligenz und Digitalisierung staatliche Strukturen verändern können.
Am Beispiel Albaniens schilderte Rama eine umfassende Digitalisierungsstrategie, die darauf abzielt, Verwaltung einfacher, schneller und transparenter zu machen. Der Staat komme dabei zu den Bürgerinnen und Bürgern – und nicht umgekehrt. Mit Initiativen wie „gov.AI“ sollen bürokratische Prozesse verschlankt und öffentliche Dienstleistungen effizienter gestaltet werden.
Besondere Aufmerksamkeit erhielt seine Einschätzung von Künstlicher Intelligenz als Instrument gegen Korruption. Ein Algorithmus kenne keine persönlichen Beziehungen, lasse sich nicht beeinflussen und sei nicht empfänglich für Gefälligkeiten. Was vielerorts noch als Zukunftsvision diskutiert werde, sei in Albanien bereits Teil einer praktischen Verwaltungsreform.
Gleichzeitig warnte Rama vor den gesellschaftlichen Risiken digitaler Technologien. Algorithmen könnten Aufmerksamkeit und Reichweite steuern, Wahrnehmungen prägen und damit auch politische Prozesse beeinflussen. Eine zentrale Herausforderung bestehe darin, demokratische Werte und gesellschaftlichen Zusammenhalt in einer zunehmend KI-geprägten Welt zu bewahren.
Mensch und Maschine gemeinsam denken
Mit der Frage nach dem Verhältnis von menschlicher und künstlicher Intelligenz beschäftigte sich auch Zukunftspsychologe Prof. Dr. Thomas Druyen, Präsident der opta data Zukunfts-Stiftung. Er sieht beide nicht als Gegensätze, sondern als zunehmend miteinander verbundene Systeme.
Technologie könne menschliche Fähigkeiten erweitern und neue Möglichkeiten eröffnen. Die Verantwortung für Werte, Orientierung und gesellschaftliche Entscheidungen bleibe jedoch beim Menschen. Druyen plädierte für ein neues Verständnis von Transformation, das Wandel nicht als Bedrohung, sondern als Chance für persönliches und gesellschaftliches Wachstum begreift.
“Das Wichtigste, wenn Ressourcen nicht mehr aus dem Boden geholt werden können? Kluge Köpfe. Die gibt es hier.”
Ministerpräsident des Landes NRWHendrik Wüst: „Kluge Köpfe“ als wichtigste Ressource
NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst richtete den Blick auf die wirtschaftliche Entwicklung des Standorts Nordrhein-Westfalen und die Bedeutung von Innovationen für künftiges Wachstum. „Das Wichtigste, wenn Ressourcen nicht mehr aus dem Boden geholt werden können? Kluge Köpfe. Die gibt es hier“, sagte Wüst bei seiner Keynote.
Mit Blick auf das deutsche Hochschul-Ausgründungen betonte Wüst die Stärke Nordrhein-Westfalens als Wissenschafts- und Innovationsstandort. Gleichzeitig machte er deutlich, dass Gründungen allein nicht ausreichen. Entscheidend sei, erfolgreiche Unternehmen auch in der Region wachsen und skalieren zu lassen.
Darüber hinaus warb der Ministerpräsident für einen Staat, der Vertrauen stärkt und bürokratische Hürden abbaut. Weniger Regulierung und mehr Handlungsspielräume könnten dazu beitragen, Innovationskraft freizusetzen und gesellschaftliches Vertrauen zu stärken.
Innovationen zum Anfassen
Neben den Keynotes bot der r26 zahlreiche Einblicke in aktuelle Entwicklungen der regionalen Innovationsszene. Bei Rundgängen über die Ausstellungsfläche standen unter anderem Unternehmen und Initiativen wie Quhr und der Bochumer Gesundheitscampus sowie das KI-Unternehmen go AVA im Fokus, das fotorealistische KI-Avatare für den Einsatz in Informations- und Kommunikationsprozessen entwickelt.
Mit seiner Neuausrichtung zeigt der r26, wie vielfältig Innovation heute gedacht werden kann: technologisch, wirtschaftlich und gesellschaftlich. Die Veranstaltung liefert damit wichtige Impulse für die Zukunftsfähigkeit des Ruhrgebiets und darüber hinaus.
Ankerkraut: Ein ungewöhnlicher Weg zurück
Für Anne Lemcke war der Auftritt beim “r26” auch eine Rückkehr in die Heimat. Die Mitgründerin von Ankerkraut stammt aus Bochum. Gemeinsam mit ihrem Mann Stefan baute sie die Gewürzmarke seit 2013 zu einer der bekanntesten Start-up-Erfolgsgeschichten Deutschlands auf.
Für Schlagzeilen sorgte 2022 der Verkauf der Mehrheitsanteile an Nestlé. Der Deal brachte dem Unternehmen zwar neue Möglichkeiten, löste bei vielen Kundinnen und Kunden aber auch heftige Kritik aus und führte zu einem regelrechten Shitstorm gegen die Marke.
Vier Jahre später folgte die überraschende Wende: Anne und Stefan Lemcke kauften Ankerkraut zurück. Als Grund nennen die Gründer den Wunsch nach mehr unternehmerischer Eigenständigkeit und der Möglichkeit, die Marke wieder mit größerem Gestaltungsspielraum und mehr Flexibilität weiterzuentwickeln. Für Ankerkraut beginne damit ein neues Kapitel – zurück in Gründerhand.












