Von der Kompetenzhürde
zur Motivationshürde
Wie verändert Künstliche Intelligenz unsere kreative Praxis, und wie bleiben wir dabei selbstbestimmt? Darum ging es in der Werk°stadt in Witten – eine Location, die als umgenutzer Industriestandort selbst ein Symbol für Transformation und Experimente ist. Der ideale Rahmen für einen Tag voller Impulse, Diskussionen und Vernetzung.
Schon in der Begrüßung machten BMR-Projektmanagerin Lea Deuß und Stefanie Rogg von der IHK Mittleres Ruhrgebiet klar: KI ist kein Gegner, sondern ein Werkzeug. Die Herausforderung liegt darin, sie klug in kreative Workflows zu integrieren, ohne die eigene Handschrift zu verlieren. Denn die Branche steht vor tiefgreifenden Umwälzungen. KI verändert nicht nur Prozesse, sondern Geschäftsmodelle und Wertschöpfungsketten. Aus der Kompetenzhürde wird eine Motivationshürde: Wer kreativ bleiben will, muss sich neu positionieren. Gleichzeitig entstehen Chancen: KI schafft Räume für neue Ideen, für Storytelling und für authentische Markenführung in einer Welt, die von generierten Inhalten überflutet wird.
Vier Kerntreiber der
Disruption
Die Keynote von Thomas Chmielnik, Head of AI bei AIVISOR, machte die Dimension dieser Veränderungen deutlich. KI ersetzt Schauspieler, schreibt Bücher, komponiert Songs, zeichnet Comics, entwirft ganze Gebäude … – und verschiebt damit die Spielregeln der Kreativwirtschaft. Die vier Kerntreiber der Disruption sind:
- die Geschwindigkeit, in der Neuerungen auf den Markt kommen
- ihre Qualität der Ergebnisse
- die einfache Bedienung, die Fachwissen nahezu überflüssig macht
- und die Überallverfügbarkeit der Technik.
Chmielnik zeigte, wie sich Wertschöpfung verschiebt und warum Authentizität, Wärme und Originalität die neuen Währungen sind. Sein Fazit: Wir stehen am Beginn eines neuen Zeitalters. Wer Branding und Storytelling beherrscht, bleibt relevant.
Kreativer Boost – oder
schleichendes De-Skilling?
Nach diesem Impuls ging es in drei Workshops, die alle Teilnehmenden durchliefen. Im ersten Workshop beleuchteten Dr. Carsten Weiß und Cengiz Sunter von der VHS Oberhausen die Tücken und Chancen von credit-basierten Bezahlmodellen. Wie beeinflussen Credits Entscheidungen und Kreativität? Warum lohnt sich ein klarer Plan vor dem Klick? Und was ist bei jedem Projekt der „Seed“, der Samen? Die Diskussion reichte schließlich bis zur philosophischen Ebene: Erleben wir durch KI einen kreativen Boost, oder geben wir uns hin in ein schleichendes De-Skilling?
Die Zukunft der Auffindbarkeit
Der zweite Workshop mit Fédor Brotkorb drehte sich um Sichtbarkeit in KI-Suchergebnissen. Die Zukunft der Auffindbarkeit heißt „Generated Engine Optimization“. Wer gefunden werden will, muss auf konsistente Profile, lokale Signale und Unique Content setzen. KI wird zum Navigationsgerät – und die Qualität der Frage bestimmt das Ergebnis.
KI als Teammitglied
Im dritten Workshop zeigte Daniel Nierhauve von 9elements, wie Agenturen KI als Teammitglied nutzen können. Der Weg beginnt mit einfachen Automatisierungen, bevor KI in komplexere Prozesse integriert wird. Praxisbeispiele wie sprachbasierte CRM-Systeme machten deutlich, wie sich Effizienz steigern lässt, ohne Kreativität zu opfern. Sein augenzwinkernder Tipp: „Nicht über schlechte KI-Ergebnisse ärgern – Menschen liefern auch genug Mist.“
Harmonie, Timing und Bedeutung
Die Pausen zwischen den Programmpunkten und das Netzwerken zum Abschluss waren mehr als nur Zeit zum Durchatmen. Sie wurden intensiv genutzt, um Kontakte zu knüpfen und neue Kooperationen anzustoßen. Ein klares Signal, dass die Branche in Bewegung ist – trotz wirtschaftlicher Herausforderungen und technologischem Druck.
Am Ende des Tages stand fest: Die Kreativwirtschaft beginnt ein neues Kapitel. KI verändert alles – aber sie nimmt uns nicht die Kreativität. Im Gegenteil: Wer den Wandel annimmt, kann zum Frontrunner werden. Mit Gespür für Harmonie, Timing und Bedeutung bleibt die Branche das, was sie immer war: ein Ort für Originalität und Ideenreichtum.





