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© IHK/Schaper

Intelligenter Bauen: Auf dem Weg zur Klimaneutralität

08.09.2025

Intelligenter bauen - aber wie? Der Gebäudesektor in Deutschland ist der größte Verursacher von CO2-Emissionen. Alle Bauprozesse hinterlassen ihre CO2-Fußabdrücke. Was können wir tun, um klimaneutraler zu werden? In dem Workshop „Nachhaltige und intelligente Gebäude“ war das die zentrale Frage.

In der Theorie ist es ganz einfach: Treibhausgas-Emissionen im Baulebenszyklus reduzieren, den Primärenergiebedarfs in der Betriebsphase verringern und den Einsatz erneuerbarer Energien erhöhen. Aber so einfach ist das nicht umgesetzt. Auf der Veranstaltung „Nachhaltige und intelligente Gebäude“, zu der gemeinsam das Ökozentrum NRW, das Kompetenznetzwerk Umweltwirtschaft NRW, die Wirtschaftsförderung Dortmund, die IHK zu Dortmund und Greentch.Ruhr eingeladen hatten, diskutierten Planer, Politiker, Architekten und Unternehmer im Baukunstarchiv NRW über konkrete Wege zur Klimaneutralität.

Sabine Poschmann, Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen, stellte die politischen Rahmenbedingungen für das nachhaltige Bauen vor und skizzierte die Zielsetzung unterschiedlicher Förderprogramme. Neubau und Bestand müssten gleichermaßen in den Blick genommen werden. “Es muss gebaut werden, wir brauchen einen Schub. Aber: Es darf beim Klimaschutz keine Rolle rückwärts geben", so Sabine Poschmann.
 

„Es darf beim Klimaschutz keine Rolle rückwärts geben.“

Sabine PoschmannParlamentarische Staatssekretärin im Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen; Foto: Andreas Amann

Leitfaden Klimaneutrales Bauen

Jedes Jahr werden in Dortmund mehr als 200 Bauprojekte abgewickelt und 30.000 Instandhaltungsmaßnahmen durchgeführt. In all diesen Maßnahmen und Investitionen steckt auch ein riesiger Hebel für den Klimaschutz. Die städtische Immobilienwirtschaft hat daher einen Leitfaden erarbeitet, der vor allem praxistauglich sein soll. Wie das genau aussieht, stellte Martin Schaefer vor. Er ist Teamleiter bei der Städtischen Immobilienwirtschaft und Mitverfasser des Leitfadens. Er machte deutlich, dass neben dem Einsatz der Energie auch das verwendete Material einen großen Einfluss auf die Ökobilanzierung habe. Der Leitfaden sieht daher vor: 

  • Bereits vorhandene Bausubstanz erhalten
  • Materialeinsatz minimieren
  • Regionale Produkte verwenden
  • CO2-Äquivalente der Materialien müssen gering, besser negativ sein

 

Die Verbesserung der städtischen Abläufe bei Bauprojekten soll auch andere Akteure dazu anregen, ihre eigenen Projekte neu zu denken. Der Leitfaden steht zum Download zur Verfügung.

Beispiele aus der Praxis

Welche Baumaterialien eine Renaissance erleben, wie digitale Tools die Bauplanung revolutionieren und wie Forschung und Praxis effizient miteinander verbunden werden können, zeigten eindrucksvoll die Best Practice Beispiele des Workshops:

Das denkmalgeschützte Gebäude der ehemaligen Abendrealschule in der Adlerstraße in Dortmund wird gerade in ein Wohnhaus mit 18 unterschiedlichen Wohnungen umgebaut. Wie das Bestandsgebäude nachhaltig verändert werden kann, stellte Architekt Seven Grüne vor: „Die Herausforderung des Umbaus ist es, einen Ausgleich zwischen Alt und Neu herzustellen und die lichte Atmosphäre des Bestandsgebäudes erlebbar zu machen." Spielraum für nachhaltiges Bauen bietet hier u. a. der Außenbereich. Auf dem Schulhof werden Flächen für Urban Gardening angelegt, die vorhandenen Pavillonbauten werden zur Sommerküche und zur Regenretention wird ein Teil des Schulhofs entsiegelt.

Das LWL Freilichtmuseum Detmold erhält einen neuen Museumsbau und soll bauökologische Zusammenhänge anschaulich machen – und dafür selbst das beste Beispiel werden. Der Museumsneubau ist einer der ersten mit einem ganzheitlichen nachhaltigen Konzept, das der Architekt Simon Waigand vorstellte. Mit rund 3.100 Quadratmetern Nutzfläche und einem 900 Quadratmeter großen Ausstellungssaal überzeugt das neue Gebäude nicht nur architektonisch, sondern vor allem durch seine umweltschonende Bauweise. Die Tragkonstruktion besteht aus regionalem Holz, während tragende Wände aus Stampflehm gefertigt werden. Diese bestehen zu 90 Prozent aus dem örtlichen Baugrubenaushub, was nicht nur den Energieaufwand, sondern auch die Emissionen beim Materialtransport minimiert.

Ein Leuchtturmpoket für zukünftiges Bauens präsentierte schließlich Christian Tschersich vom Büro LAVA: Beim German Pavillon bei der Expo 2025 in Osaka ist alles zirkulär, der Pavillon selbst, das Besuchserlebnis, das Design, die präsentierten Technologien und Zukunftsvisionen. Alles basiert auf dem Gedanken der Zirkularität. Der Pavillon zeigt als begehbares Exponat, welchen Einfluss Architektur und Städtebau auf Nachhaltigkeit und Zirkularität haben kann. Sämtliche Materialien sind wieder einsetzbar oder recycelbar, dafür wurden auch innovative zirkuläre Werkstoffe erforscht. Ein intelligentes Klimakonzept passt sich der Landschaft an.