Zum Seiteninhalt springen Zum Seitenfuß springen
© Selin Jasmin/BMR
Filter setzen Wasserstoff

Mit Energie in Berlin: Werbung für Wasserstoff-ClusterFörderung

Kleine Hebel, große Wirkungen. Der Wasserstoffmarkthochlauf in Deutschland ist einer entscheidenden Phase. Es müsse nun konsequent an vielen kleinen politischen Stellschrauben gedreht werden, so der Tenor einer Paneldiskussion im Herzen Berlins. Die Hydrogen Metropole Ruhr hatte geladen: „Wirtschaft und Politik im Dialog – wie regionale Cluster die industrielle Transformation vorantreiben.“

Voller Saal, viele Bundestagsabgeordnete und Köpfe der Energiewirtschaft im Herzen der Hauptstadt. Zwischen Reichstag und Brandenburger Tor setzte das Ruhrgebiet ein energiepolitisches Ausrufezeichen.

„Wir haben die Wertschöpfungskette im Ruhrgeiet und wie keine andere Region auch die Forschungseinrichtungen vom ZBT in Duisburg bis zur TU Dortmund“, sagte der Bundestagsabgeordnete Mahmut Özdemir (SPD). „Es ist zentral, nicht nur die großen Stahlkonzerne zu berücksichtigen, sondern auch die die Mittelständler“, sagte Nicklas Kappe, Abgeordneter der CDU.

Gerade diese Perspektive brachte Jörg Döllekes in die Diskussion: „Wir sind auf Gas – oder Wasserstoff – angewiesen. Und das planbar und bezahlbar,“ so der Geschäftsführer der Bochumer Härterei Reese: „Unsere größte Anlage können Sie nicht auf Strom umnutzen.“

Ein weiteres Beispiel für Dr. Stefanie Kesting, Vorsitzende der Geschäftsführung der Thyssengas GmbH, für den Willen zur Transformation: „Nach meiner Erfahrung und Beobachtung ist es ist nicht so, dass Mittelstand und Industrie nicht wollen.“ Die Lücke bei der Nachfrageseite sei oftmals gar nicht so groß. „Es geht um wenige Euros pro Kilo Wasserstoff, die überbrückt werden müssen. Und man muss auch berücksichtigen, dass sich der Markt weiterentwickelt.“

Ihr Appell an die versammelte Politik: „Wir sind als Netzbetreiber in Vorleistung und ins Risiko gegangen, Unternehmen stellen sich darauf ein. Die Gemeinschaftsaufgabe ist jetzt, die Rahmenbedingungen zu schaffen, dass diese Leitungen volkswirtschaftlich sinnvoll genutzt werden.“

„Wir sind als Netzbetreiber in Vorleistung und ins Risiko gegangen, Unternehmen stellen sich darauf ein. Die Gemeinschaftsaufgabe ist jetzt, die Rahmenbedingungen zu schaffen, dass diese Leitungen volkswirtschaftlich sinnvoll genutzt werden.“

Dr. Stefanie KestingVorsitzende der Geschäftsführung der Thyssengas GmbH

H2 als Energieträger in die Fläche bringen

Tenor auf dem Panel und aus dem Publikum bestehend aus Ministerien, Unternehmen und Verbänden: Deutschland sei auf dem richtigen Weg, auch wenn es um den Wasserstoff zuletzt in der Öffentlichkeit etwas leiser geworden sei. Gerade deshalb brauche es noch entschlossenes Handeln von Politik und Wirtschaft, um H2 als Energieträger in die Fläche zu bringen.

Wie gelingt der Durchbruch des Wasserstoffmarkthochlaufs? Regionale Cluster könnten ein entscheidender Ansatz ein, um die Interessen gerade von mittelständischen Unternehmen beim Aufbau und bei der Förderung zu berücksichtigen. „Hohe Industriedichte, gewachsene Wertschöpfungsketten und geringe Distanzen ermöglichen tragfähige Cluster - mit direkter Wirkung für Industrie und Mittelstand. Insbesondere im Ruhrgebiet“, resümierte Dr. Stefanie Kesting.

Die Abgeordneten befürworteten den Clustergedanken einhellig. „Das kann und muss ein Weg sein. Wenn verschiedene Player wie Abnehmer und Netzbetreiber sich als Cluster zusammentun, muss man das als Anschub verstehen und denen nicht noch Steine in den Weg legen“, sagte Nicklas Kappe (CDU).

Globale Krisen und Importabhängigkeit

Mahmut Özdemir nahm in der angeregten Diskussion mit dem Publikum Brüssel – und das Ruhrgebiet selbst in den Blick. Die Stadtwerke sollten endlich ihre Marktmacht begreifen und sich beim Wasserstoffmarkthochlauf zusammenschließen. Andere Stimmen in der Debatte verteidigten die Stadtwerke: Die Verteilnetzbetreiber hätten anders als beim Aufbau des Kernnetzes gar nicht die finanzielle Unterstützung, um aktiv zu werden.

Die aktuelle Bundesregierung kritisierte Katrin Uhlig (Grüne): zu langsam, nicht konsequent genug. Angesichts der aktuellen globalen Krisen betonte sie: „Wir werden Wasserstoff importieren müssen, wenn wir Industrienation bleiben wollen.“ Gerade die notwendige Vielzahl von Herkunftsländern des Energieträgers wäre ein Stabilitätsfaktor für Europa. 

Drehen an kleinen Stellschrauben in Berlin und Brüssel

Der Abend der Hydrogen Metropole Ruhr brachte zweierlei Erkenntnisse: Viele Unternehmen stehen bereit, die notwendigen Investitionen in die Energietransformation anzupacken, wenn endlich Klarheit herrschte. „Wir brauchen ein konkretes Datum, wann die Umstellung erfolgen wird. Zu welchem Preis und wie unser Werksgelände angeschlossen wird“, so stellvertretend für den Mittelstand Härterei-Geschäftsführer Döllekes.

Es sind viele kleine Stellschrauben, an denen in Berlin und in Brüssel derzeit gedreht werde, so betonten nicht wenige Teilnehmende auf dem Panel und auch aus dem fachkundigen Publikum: „Wir stehen gar nicht so schlecht da“, machte Dr. Stefanie Kesting Mut. „Wir müssen jetzt in Richtung schnelle Skalierung denken und die notwendigen Schritte gehen.“

Das Netzwerk für Wasserstoff im Ruhrgebiet

Kontaktieren Sie unseren Ansprechpartner direkt hier.

Jörn KleinelümernProjektleiter
Hydrogen Metropole Ruhr (HyMR)
Bitte akzeptieren Sie die Marketing Cookies, um das Formular abzuschicken.