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Freizeitimmobilien: Motor für Transformation im Ruhrgebiet

23.03.2026

Freizeitimmobilien gewinnen im Ruhrgebiet zunehmend an Bedeutung – als Erlebnisorte, touristische Ankerpunkte und Treiber für die regionale Entwicklung. Wie weitere Ansiedlungen vorangetrieben werden können und welche Chancen sich daraus für die Region ergeben, stand im Fokus der Veranstaltung “Freizeitimmobilien”, die in der ELORIA-Erlebnisfabrik in Bottrop stattfand.

Gemeinsam mit der Ruhr Tourismus GmbH (RTG) hatte die Business Metropole Ruhr (BMR) dazu eingeladen, Best‑Practice‑Beispiele wie die Eloria Erlebnisfabrik, Topgolf Oberhausen oder Phoenix des Lumières kennenzulernen und in interaktiven Formaten die Zukunft von Freizeit- und Erlebnisstandorten zu diskutieren. Expertinnen und Akteure aus Wirtschaft, Tourismus und Stadtverwaltung besprachen aus unterschiedlichen Disziplinen neue Perspektiven und Impulse für die Entwicklung solcher Projekte im Ruhrgebiet. 

Wirtschaftsfaktor Tourismus

Der Tourismus hat sich in den vergangenen Jahren zu einem wichtigen Treiber im Ruhrgebiet entwickelt. Seit 2010 sind die Übernachtungszahlen deutlich gestiegen – von 6,5 auf über 9,1 Millionen im Jahr 2025. 2024 wurde erstmals die Marke von 8 Milliarden Euro Bruttoumsatz erreicht. Gleichzeitig wächst die Branche weiter: 6.000 neue Hotelbetten seit 2019 stehen für Investitionen von rund 420 Millionen Euro.

Doch der Tourismus schafft mehr als Wertschöpfung: „Freizeit- und Kulturangebote steigern die Lebensqualität, beleben Stadtquartiere und stärken das regionale Selbstbewusstsein", so RTG-Geschäftsführer Axel Biermann in seiner Keynote. Tourismus sei damit ein integraler Bestandteil der Standortentwicklung. Er verbinde Wirtschaft, Stadtplanung und Lebensqualität und mache das Ruhrgebiet für Bürgerinnen, Fachkräfte und Investoren attraktiver. „Jeder Euro, der in Freizeit und Erlebnis investiert wird, erzeugt nicht nur Umsatz, sondern Zukunftsfähigkeit!"

Paris, New York, Dortmund

Was zieht Investoren ins Ruhrgebiet? Warum entscheiden sich weltweit agierende Unternehmen wie die Paperdice Group, Greenreb Ltd oder Culturespaces, ihre Erlebniswelten an der Ruhr zu verwirklichen? Spannende Einblicke in ihre Entscheidungen gaben drei Impulsgeber: 

„140 Jahre Geschichte stecken in diesem Gebäude", begrüßt Michael Bierhahn, Geschäftsführer der ELORIA GmbH, die Teilnehmenden des Workshops in der Alten Waschkaue. „Als ich das Gebäude das erste mal sah, habe ich mich direkt verliebt!” Für außergewöhnliche Erlebnisse war Michael Bierhahn auf der Suche nach einer einzigartigen Location und hat sie in Bottrop gefunden. Die denkmalgeschützte Industriehalle beherbergt nun Europas größten Escape Room. „Die Verfügbarkeit dieser Immobilie und die unmittelbare Nachbarschaft zu anderen Freizeitbetrieben wie Movie Park, Alpincenter, Indoor Skydiving und Schloss Beck, waren u. a. ausschlaggebend für die Investition".

Auch Culturespaces, ein führender privater Betreiber für immersive Kunsterlebnisse in Europa, hat es ins Ruhrgebiet gezogen. „Das Einzugsgebiet und Besucherpotenzial war für uns entscheidend, neben Paris, Bordeaux, Les Baux-De-Provence, New York, Amsterdam, Hamburg, Seoul, Jeju und Tokyo unsere digitale Ausstellung in Dortmund zu inszenieren", so Andreas Richter​, Direktor von Phoenix des Lumières. „Mit einer Fahrzeit von 60 Minuten eingerechnet, erreichst du 13 Millionen Menschen. Im Umkreis von 90 Minuten sind es schon 20 Millionen!” Der Standort im Ruhrgebiet hat die Betreiber überzeugt. Am 20. März haben sie ihre neue Show gelauncht: „Ein Planet vor unserer Zeit: Dinosaurier – das immersive Erlebnis“ – ebenfalls in Dortmund.

In Oberhausen eröffnete 2022 die erste Topgolf-Anlage in Kontinentaleuropa. Der Freizeit- und Unterhaltungskomplex, der sich über 40.000 Quadratmeter​ erstreckt, hat überregionale Aufmerksamkeit und Strahlkraft. Für David Speiser​, Gründer von Greenreb Ltd, waren mehrere Gründe​ ausschlaggebend für die Standortwahl: die Verfügbarkeit der Fläche samt Erschließung, die Zusammenarbeit mit den Behörden sowie die Lage. „Das Einzugsgebiet mitten in Europa ist eine große Chance für den Standort." Seit der Eröffnung sind bereits über 70 Millionen Golfbälle abgeschlagen worden, Tendenz steigend und das Modell in Oberhausen gilt als Blaupause für das Unternehmen in der Schweiz.

 

 

Freizeitimmobilien strategisch denken

Die Ergebnisse aus den interdisziplinären Gesprächen zwischen Touristikern, Wirtschaftsförderinnen und der Stadtverwaltung machten deutlich: Freizeitimmobilien erzeugen nicht nur direkte Beschäftigung, sondern vor allem indirekte regionale Wertschöpfung. Arbeitsplätze entstehen im Betrieb selbst: Service, Technik, Gastronomie, Eventmanagement, Marketing. Der größere Effekt liegt aber im Umfeld: Hotels, Gastronomie, Einzelhandel, Mobilität, Dienstleistungen. Freizeit- und Erlebnisprojekte verlängern die Aufenthaltsdauer von Besuchern, wodurch zusätzliche Kaufkraft generiert wird.

Freizeitimmobilien können Motor für Transformation und mehr Lebensqualität im Ruhrgebiet sein. Der Tenor der Veranstaltung: Es brauche ein neues Mindset, damit die Freizeitimmobilie als eine wirtschaftlich relevante Assetklasse ernst genommen wird. Die Chancen, die in einer kooperativen Zusammenarbeit aller "Gewerke" liegen, müssen genutzt werden.

Tourismus im Ruhrgebiet

Der Tourismus im Ruhrgebiet behauptet sich auch 2025 als ein wichtiger Wirtschaftsfaktor der Region: Im vergangenen Jahr kamen rund 4,65 Millionen Gäste ins Ruhrgebiet. Damit konnte das Rekordergebnis von 2025 nahezu gehalten werden (damals: 4,66 Millionen). Besonders viele von ihnen blieben zum „Ruhrlaub“: Die Beherbergungsbetriebe im Ruhrgebiet verzeichneten insgesamt 9,1 Millionen Übernachtungen. Das entspricht einer Zunahme von fast 0,3 Prozent für das Jahr 2025 im Vergleich zu 2024, als das Ruhrgebiet erstmals die 9-Millionen-Marke bei den Übernachtungen knackte.

Auch international bleibt das Interesse hoch: Rund 904.000 ausländische Gäste sorgten für fast 1,7 Millionen Übernachtungen – insgesamt zwar weniger als 2024, als die Fußball-Europameisterschaft besonders viele Gäste aus dem Ausland angezogen hatte. Doch insgesamt verstetigt sich der Trend, dass das Ruhrgebiet über die nationalen Grenzen hinaus an Profil gewinnt – auch nach den Sondereffekten des Vorjahres.

Quelle: Ruhr Tourismus GmbH